Haftstrafe für Femen-Aktivistinnen in Tunesien Triumph der Islamisten

Bärtige Krawallmacher laufenlassen und nackte Femen-Aktivistinnen einsperren? Tunesien legt Wert auf seinen Ruf als eines der tolerantesten Länder Nordafrikas und hätte gerne wieder mehr Touristen - doch nach den neusten Ereignissen wird das schwierig.

Von Sonja Zekri, Kairo

Vier Monate und ein Tag Gefängnis, weil drei Frauen in Tunesien oben ohne protestiert haben aus Solidarität mit einer tunesischen Aktivistin; drei Europäerinnen, um genau zu sein. Selbst schuld, werden viele sagen, was haben die da verloren. Wenn die Tunesier keinen Nackt-Protest wollen, sollte man sich in Tunesien eben nicht ausziehen.

Das finden die Salafisten übrigens auch. Das Urteil werde all jenen eine Lehre sein, die die Werte des Islam angreifen, glucksen sie triumphierend. So ist die Stimmung. Nicht in ganz Tunesien, aber eben bei jenen, die den Ton angeben. 20 Verdächtige nach einem Überfall auf die US-Botschaft mit einem Toten und vielen Verletzten bekamen übrigens Strafen zur Bewährung.

Das kann man erst mal nicht ändern. Aber man muss sich auch nicht vor Selbstanklage überschlagen. Tunesien legt Wert auf seinen Ruf als eines der tolerantesten Länder Nordafrikas und hätte gerne wieder mehr Touristen. Solche Urteile passen dazu nicht gut. Der Westen zerbricht sich den Kopf darüber, wie er in Tunesien, Ägypten oder Libyen Einfluss nehmen kann, wo sich alle jede Einmischung verbitten - außer natürlich Finanzhilfen ohne Bedingungen. Aber die Tunesier sollten sich auch ein paar Gedanken machen: Klar können sie bärtige Krawallmacher laufenlassen und nackte Frauen einsperren. Aber dann sollten sie vielleicht nicht um europäische Touristinnen werben.