bedeckt München

Deutschland und Tansania:Die Afrikapolitik Berlins ist paradox

Erst im zweiten Anlauf kommt die deutsche Botschaft dem Oppositionspolitiker Tundu Lissu zu Hilfe. Das überrascht kaum. Deutschland fürchtet Veränderungen in Afrika. Das trägt dazu bei, dass viele junge Menschen dort keine Zukunft für sich sehen.

Von Bernd Dörries

Es ist kein Verdienst der deutschen Diplomatie, dass Tundu Lissu am Leben ist. Sondern einfach Glück. Am Montag rief der führende Oppositionspolitiker Tansanias die deutsche Botschaft zu Hilfe: "Ich fürchte um mein Leben." Wenig später stand er vor der Tür, wurde nicht eingelassen und von der Polizei verhaftet. Für Lissu war es eine Wiederholung der Geschichte, schon 2017 hatte er bei einem Besuch in Brüssel von der Angst um sein Leben berichtet. Wenig später hatte er 16 Kugeln im Körper. Dass es dieses Mal nicht so weit kam, ist letztlich Zufall.

Mittlerweile ist Lissu wieder frei und hat doch Zuflucht in der Residenz der Botschafterin gefunden. Dass Deutschland einen afrikanischem Oppositionellen erst im zweiten Versuch Schutz gewährt, kommt nicht unerwartet. Die deutsche Afrikapolitik ist zu selten auf Seiten derer, die Mächtige infrage stellen, Menschenrechte einfordern, Demokratie wollen. Vorrangiges Ziel ist Stabilität.

Eine grundlegende Veränderung der Verhältnisse birgt aus Sicht Berlins die Gefahr unüberschaubarer Verhältnisse, die bewirken könnten, dass mehr junge Menschen nach Europa aufbrechen. Doch das ist eine Politik, die langfristig genau das erreicht, was sie vermeiden will. Wer autoritäre Regime wie in Tansania stützt, darf sich nicht wundern, wenn immer mehr Junge dort keine Zukunft sehen.

© SZ
Zur SZ-Startseite