Corona:Schlechtes Timing

Das Positionspapier von Wissenschaftlern um den Virologen Streeck ist wichtig und richtig. Nur: Es bietet keine Antworten auf die derzeit drängenden Fragen.

Von Christina Kunkel

Es ist der schlechteste Zeitpunkt, um so ein Positionspapier vorzustellen, wie es ein Zusammenschluss von Ärzten, Wissenschaftlern und Verbänden um die Virologen Hendrik Streeck und Jonas Schmidt-Chanasit am Mittwoch getan haben. Denn auf die jetzt drängenden Fragen bietet ihr Diskussionsbeitrag keine Antworten. Solange sich das Virus unkontrolliert ausbreitet und sich die Zahl der Intensivpatienten alle zehn Tage verdoppelt, bringen zaghafte Gedankenskizzen zu regionalen Ampeln oder mehr Nachbarschaftshilfen gar nichts.

Es ist auch unverantwortlich, immer noch unterschwellig mitschwingen zu lassen, dass auch 15 000 Neuinfektionen pro Tag doch gar nicht so schlimm seien, solange es nicht die erwische, die dann richtig schwer krank werden oder gar sterben. Und wer nicht infiziert werden will, der solle eben freiwillig Kontakte vermeiden - ein Hohn gegenüber Millionen Menschen, die zu den bisher bekannten Risikogruppen gehören.

Daneben ist aber auch vieles, was in dem Papier steht, richtig und wichtig. Dass man Konzepte braucht, wie man Risikogruppen schützt, Tests sinnvoller einsetzt und sich immer und überall an die bekannten AHA-Regeln hält. Doch genau das sagen alle seriösen Wissenschaftler schon seit Monaten. Genutzt hat es offenbar nichts. Mit den Vorschlägen von Streeck und Co. hätte man sich am besten schon nach der ersten Welle auseinandergesetzt - oder eben, wenn die aktuelle Welle gebrochen ist.

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