Internet:Kurz vergnügt - jetzt auch auf Youtube

Internet: Die Funktion "Youtube Shorts" erinnert an die App Tiktok und die Instagram-Funktion "Reels".

Die Funktion "Youtube Shorts" erinnert an die App Tiktok und die Instagram-Funktion "Reels".

(Foto: Jessy Asmus)

Mit der Funktion Youtube Shorts versucht sich die Videoplattform an einem Tiktok-ähnlichen Format. Was hat es damit auf sich?

Von Clara Meyer

Ein kurzes Video, keine Minute lang, ein Tanz oder ein Sketch hinterlegt mit Musik und O-Tönen. Dann runterscrollen, das nächste schauen. Noch mal, noch mal, noch mal, bis plötzlich eine Stunde weg ist. Klingt nach Tiktok, dem wohl größten Social-Media-Phänomen der vergangenen Jahre. Ist es aber nicht.

Denn im Social-Media-Universum werden erfolgreiche Funktionen rasch von der Konkurrenz abgekupfert. So hat sich Instagram vor ein paar Jahren mit der Einführung der Story-Funktion mal eben vom Story-Netzwerk Snapchat inspirieren lassen. Mit Kurzvideos, den Reels, probiert die Fotoplattform bereits seit Sommer 2020, das chinesische Videoportal Tiktok zu imitieren. Deren Erfolg konnte das bisher nichts anhaben. Wird "Youtube Shorts" das nun mit ändern?

Ähnlich wie bei Instagram ist die neue Funktion auch bei der Google-Tochter Youtube in die App integriert. Klickt man auf das entsprechende Icon, landet man direkt im ersten Clip. Ab hier sieht alles aus wie beim chinesischen Original: Videos in Hochformat füllen den Bildschirm, rechts gibt es die Möglichkeit, einen Like dazulassen. Oder auf einen kleinen Pfeil zu drücken, um das Video auf direktem Wege an Freunde zu verschicken. Sollte der Suchtfaktor bei Youtube Shorts genauso hoch wie beim Vorbild sein, werden diese dann auch stundenlang auf ihr Handy starren.

Einige Namen und Gesichter kommen einem von Tiktok verdächtig bekannt vor

Das wäre nicht verwunderlich, denn der Stil der Videos ist der gleiche. Ein Mädchen "prankt" (was im Youtuber-Vokabular so viel wie veräppeln bedeutet) ihren Freund, ein Barista zeigt in einem Tutorial, wie Latte-Art funktioniert. Dazwischen immer wieder Tänze oder Lip Sync auf viralen Sounds. Das alles in maximal 60 Sekunden. Die Creator haben entweder die Clips in der App selbst zusammengeschnitten oder ein bereits fertiges Video hochgeladen. Ein fertiges Tiktok-Video vielleicht vielleicht?

Einige Namen und Gesichter kommen einem verdächtig bekannt vor, zumindest wenn man sich regelmäßig bei Tiktok rumtreibt. Ein kurzer Blick bei der Konkurrenz verrät: Es handelt sich um sogenannte Tiktoker. Sie scheinen die neue Funktion als weitere Ausspielmöglichkeit zu nutzen, laden auf beiden Apps eins zu ein die gleichen Videos hoch. Lohnt sich die Plattform dann überhaupt? Für reine Youtube-Nutzer vielleicht. Sie könnten nun auch Teil des Hypes werden, zumindest wenn sie wollen. Youtube Shorts muss aber aufpassen, nicht nur zur Tiktok-Einstiegsdroge zu werden. Man munkelt, dass manch ein Reel-Nutzer früher oder später doch das oft als "Kinder-App" verschriene Tiktok runtergeladen hat. Und für eingefleischte Tiktok-Nutzer? Denen dürfte auf Youtube Shorts schnell langweilig werden. Vor allem da viele der aktuellen Videotrends bei Tiktok bereits vor mehreren Monaten viral gingen. Ein zeitlich verzögerter Abklatsch.

Vielleicht findet die Funktion irgendwann ihren eigenen Rhythmus. Schließlich hat Youtube nach eigenen Aussagen knapp zwei Milliarden aktive monatliche User. Da kann selbst Tiktok noch nicht mithalten. Laut Google-CEO Sundar Pichai hat sich die durchschnittliche Anzahl neuer Youtube-Creator im Jahr des Feature-Launches sogar verdoppelt. Die müssten jetzt nur noch originelle Videos hochladen.

Daran legen die Macher aktuell alles: Seit Kurzem ist der Youtube-Shorts-Fund verfügbar, der potenzielle Creator ohne große Werbekooperationen mit beachtlichen Summen lockt. Ein ähnliches Prinzip füllt aber auch die Tiktoker-Taschen. Möge die bessere Plattform gewinnen.

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