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USA:Drei Worte, die alles ändern

Der Sender CNN wird zum Ziel von Verschwörungstheoretikern. Der Vorwurf: Er soll einem Schüler, der das Massaker von Parkland überlebt hat, vorgefertigte Fragen in den Mund gelegt haben.

Von Christoph Fuchs

Hat CNN einem Schüler, der das Schulmassaker von Parkland überlebt hat, in einer Diskussions-Sendung die Fragen diktieren wollen? Dieser Vorwurf geisterte einige Tage durch die Medienlandschaft in den USA und nährte Verschwörungstheorien; der Vater des Schülers hatte anderen Medien entsprechende Emails zwischen ihm und dem Sender zugespielt. Am Dienstag gab er dann zu, selbst drei Wörter aus dem E-Mail-Verkehr gestrichen zu haben, aus Versehen, wie er sagt. Drei wichtige Wörter, denn ohne sie konnte der Eindruck entstehen, CNN habe dem 17-Jährigen Schüler eine Frage vorschreiben wollen; der Sender hatte das sofort abgestritten. Da war es allerdings zu spät: Fox News, Lieblingssender von Donald Trump, griff das Thema großflächig auf. Mit der üblichen Folge, einem Tweet von Trump: "Wie so vieles von CNN, Fake News."

Nach dem Schulmassaker, bei dem ein 19-Jähriger 14 Schüler und drei Erwachsene erschossen hatte, war die Debatte um die Waffengesetzgebung in den USA neu entbrannt. Insbesondere einige überlebende Schüler setzten sich für eine strengere Waffenkontrolle ein. Im Internet begannen daraufhin Verschwörungstheorien zu grassieren, die an Umständen des Massakers zweifelten oder behaupteten, dass die überlebenden Schüler in Wahrheit Schauspieler seien, gesteuert von denjenigen, die mehr Waffenkontrolle wollen.

Eine von CNN geskriptete Diskussionssendung hätte zum Eckstein dieser Verschwörung werden können. Daraus wird nun leider nichts werden: Fügt man die drei Wörter, die der Vater des Schülers den Medien zunächst vorenthalten hat ("that he submitted"), wieder in die Mails ein, wird klar: CNN hat lediglich auf Frage-Vorschläge reagiert, die der Schüler im Vorfeld gemacht hatte.

© SZ vom 01.03.2018

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