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Umzug bei G + J:Leinen los

Der Tanker aus Stahlbeton und Zinkblech gehört nun der Kommune.

(Foto: G + J)

Gruner + Jahr soll 2021 vom Hamburger Baumwall in die Hafencity ziehen. Der alte Verlagssitz ist schon verkauft.

Ob das Gebäude am Baumwall nun eigentlich besonders schön ist oder besonders hässlich, ist durchaus umstritten in Hamburg. In jedem Fall ist die verschachtelte Konstruktion direkt am Hafen spektakulär: 88 000 Quadratmeter, ein Korsett aus Stahlbeton, eine Verkleidung aus Zinkblech, dazu Bullaugen und Relinge, als hätte hier ein Schrottdampfer ein zweite Verwendung als Verlagshaus gefunden.

Seit fast 30 Jahren ist dieses Ungetüm der Sitz von Gruner + Jahr. Das soll sich nun ändern: Das Unternehmen zieht um. "Am Hannoverschen Bahnhof" wird die Adresse von G + J künftig lauten. Das Gelände liegt in der Hafencity in unmittelbarer Nähe zum Sitz des Spiegel-Verlags an der Ericusspitze. Zu sehen gibt es dort bislang allerdings noch nichts, G + J will einen Neubau für die etwa 2000 Mitarbeiter errichten lassen. Der Baubeginn ist für Ende 2018 oder Anfang 2019 geplant, vorher soll es einen Architektenwettbewerb geben. Man wolle ein modernes Gebäude, "in dem man spürt, was G + J ist", wird die Verlagschefin Julia Jäkel zitiert. Und was ist G + J? "Innovation, Kreativität, aber eben auch Herzlichkeit und Wärme". Das sind beachtliche Ansprüche an eine Immobilie. Mindestens 36 000 Quadratmeter Grundfläche soll das neue Gebäude haben, nun wird nach einem Investor gesucht, der es errichtet. Gruner + Jahr will dann einen Mietvertrag für zwölf Jahre abschließen. Der Umzug soll 2021 erfolgen. Die Mitarbeiter wurden am Donnerstagvormittag über den Schritt informiert.

Seit mindestens drei Jahren führte der Verlag Gespräche mit der Stadt Hamburg über einen möglichen neuen Standort. Lange war auch über einen Sitz in Hamm spekuliert worden, um den leicht schmuddeligen Stadtteil aufzuwerten. Stattdessen zieht G + J nun in die Hafencity, Hamburgs Prestigeprojekt in Sachen Stadtentwicklung. Das Quartier wurde nach langer Planungsphase offiziell 2008 gegründet, bis Mitte der 2020er Jahre sollen dort Wohnungen für 12 000 und Büros für etwa 45 000 Menschen entstehen.

Das alte Gebäude am Baumwall hat indes die Stadt übernommen, der Kaufvertrag sei bereits am vergangenen Mittwoch beim Notar unterschrieben worden, heißt es. Über den Kaufpreis ist offiziell nichts bekannt, in früheren Berichten lokaler Medien wurde über 156 Millionen Euro spekuliert. Was die Stadt mit dem Koloss anfangen will, ist bislang unklar. Dass G + J ausziehen will, begründete der Verlag damit, dass das Gebäude nicht mehr zu einer modernen Arbeitsweise passe, in der auch über Redaktions- und Abteilungsgrenzen hinweg zusammengearbeitet werde. Bevor G + J 1990 an den Bauwall zog, residierte der Verlag in einem architektonisch ebenfalls umstrittenen Gebäude an der Außenalster, in Hamburg "Affenfelsen" genannt. Vom Neubau darf man also einiges erwarten.