bedeckt München 11°
vgwortpixel

TV-Tipps zum Wochenende:Aufbruch ins Neuland

Florence Foster Jenkins

Kann sich vieles leisten, auch wenn der Preis dafür exorbitant hoch ist: Florence Foster Jenkins (Meryl Streep) verwandelt sich in die "Königin der Nacht".

(Foto: Constantin)

Etwas wagen, noch einmal von vorne beginnen: Einige Filme im TV-Programm setzen ihre Helden auf Null. Und schauen zu, wie sie sich freistrampeln - oder verheddern.

Florence Foster Jenkins

Dieses Biopic ist beispielhaftes Werk der Philanthropie, 2016, liebevoll und sarkastisch inszeniert von Stephen Frears. Über die Frage, wann Menschenfreundlichkeit ins Gegenteil umschlägt. Florence Foster Jenkins, eine freigebige New Yorker Millionärin, will die Menschen auch noch mit ihrer Gesangskunst beglücken, am besten in der Carnegie Hall, mit der Arie der "Königin der Nacht". Nur: Sie schafft es nicht, einen einzigen Ton zu treffen. Meryl Streep ist Florence, Hugh Grant ihr Gatte, ein wunderbares Paar, eifrig und nobel in seiner Naivität. Außerdem mit Hugh Grant, Vier Hochzeiten und ein Todesfall, 1993, sein größter Erfolg, von Mike Newell (RTL 2, Samstag, 20.15 Uhr), und Ein Chef zum Verlieben, 2002, von Marc Lawrence (Sat 1, Samstag, 22 Uhr). Die Frau, die sich an ihn als Chef gewöhnen muss, ist Sandra Bullock.

Melodram, Sat 1, Sonntag, 20.15 Uhr

Kiss the Cook - So schmeckt das Leben!

Ein lukullisches Roadmovie von Jon Favreau von 2014: Ein Koch schmeißt hin, verlässt sein Nobelrestaurant in Los Angeles, geht an die Ursprünge seiner Liebe zurück, nach Miami, zur kubanischen Küche. Jon Favreau spielt ihn selbst, er hat mit den Iron-Man-Filmen gewaltige Blockbustererfolge gehabt und kürzlich mit den Disney-Neuverfilmungen von Dschungelbuch und König der Löwen. Mit einem Imbisstruck kehrt der Chef zurück, und die Solidarität feiert Triumphe. Das tut sie auch in Docteur Knock, 2017, von Lorraine Lévy (Servus TV, Samstag, 20.15 Uhr), in Frankreich, Mitte der Fünfziger. Ein Arzt mit sehr unruhigem Lebenslauf verpflichtet sich in einem Städtchen, wo die verdutzten Einwohner erst mal - er wird gespielt von Omar Sy - staunen, dass keiner ihnen vorher sagte, dass er ein Schwarzer ist.

Komödie, ZDF, Sonntag, 14.45 Uhr

Hero

Zweimal Kampfkunst aus China, vom Großmeister Zhang Yimou. Intrigenketten um Loyalität und Verrat, in immer neuen Variationen, Liebe und Ritual in sinnverwirrender Vollendung. Hero ist aus dem Jahr 2002, davor, um 16.10 Uhr, läuft der Film, der dann ein Jahr danach entstand, House of Flying Daggers - die Filme sind als Doppelfeature konzipiert. Die Action ist schneller als das Auge, und die Natur spielt immer mit. "Bei dem Kampf im Bambuswald", erzählt Zhang Yimou über die Dreharbeiten von Flying Daggers, "glitten die Akteure von der Spitze der Bambusbäume herab. Noch nie wurden dafür so viele Leute an Drähten aufgehängt. Das war unheimlich gefährlich und zeitaufwendig. Wir verdrahteten den ersten Akteur um acht Uhr morgens, und bis dann der zwanzigste Akteur an seinem Platz war, war es Mittag."

Martial Arts, Tele 5, Sonntag, 18.25 Uhr

Exodus

Migration im Mittelmeer, Mitte des vorigen Jahrhunderts, im Jahr 1947 - damals ging es andersherum als heute: Juden, die den Holocaust überlebten, warten in Zypern auf die Fahrt nach Palästina, wo der Staat Israel gegründet werden soll. Exodus taufen sie das Schiff, das sie dorthin bringen soll, so heißt auch der Film von Otto Preminger, 1960, der davon spektakulär erzählt. Die Briten in Zypern blockieren die Ausfahrt, es kommt zum Hungerstreik. Der Film feiert das Pathos von Aufbruch und Neubeginn, mit biblischen Erinnerungen, aber er spart die finsteren Momente des Kampfes nicht aus, den Terror der Irgun und die Unterdrückung der Palästinenser. Paul Newman ist sein Held, kompromisslos und unwiderstehlich, am Anfang inkarniert er einen britischen Offizier, legt falsche Papiere vor und packt die Briten an ihrer schwachen Stelle, ihrem Antisemitismus.

Historienfilm, Arte, Sonntag, 20.15 Uhr

© SZ vom 25.01.2020
Zur SZ-Startseite