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TV-Tipps zum Wochenende:Auf der dunklen Seite

Im Zwielicht; Im Zwielicht
One 
ARD

Ein Ex-Cop erleidet physische und psychische Schmerzen, als er Freunden (u. a. Susan Sarandon) hilft. Paul Newman spielt das sehr altersgelassen.

(Foto: WDR/TM/Paramount)

Manchmal ist es richtig, stur bei seiner Linie zu bleiben. Mitunter ist es aber besser, neue Wege einzuschlagen. Die Filmhelden dieses Fernseh-Wochenendes stehen an solchen Wegmarken. Manche von ihnen treffen die richtige Entscheidung.

Von Milan Pavlovic

Star Trek Into Darkness

Das zweite Abenteuer der jungen Enterprise-Crew vertieft den Zwist zwischen dem impulsiven Menschen Kirk und dem hyperrationalen (Halb-)Vulkanier Spock. Widerwillig verfolgen sie Khan, einen hoch angesehenen Absolventen der Sternenflotte, der angeblich zum Überläufer und Terroristen wurde. Kirk & Co. sollen ihn töten, bevor Fragen gestellt werden können. (Ein Kritiker taufte den Film damals um in Star Trek Into Zero Dark Thirty, in Anlehnung an das finstere Drama über die Jagd auf Osama Bin Laden.) Daraus entwickelt sich vollblütige Action mit Benedict Cumberbatch als Schurke, der vielleicht gar nicht so schurkisch ist. Direkt im Anschluss (22.55 Uhr) läuft Nemesis, in dem noch Captain Picard (Patrick Stewart) die Enterprise kommandiert - und seinem Klon begegnet. Beyond (Pro Sieben, Nacht zu Montag, 1.25 Uhr) ist der bisher letzte Ausflug der Abenteurer.

Science Fiction, Pro Sieben, Samstag 20.15 Uhr

Die Fremde in dir

Manchmal geraten Schauspielerinnen in Schubladen, aus denen sie kaum rauskommen. Jodie Foster befreite sich 2007 mit diesem urbanen Drama (Regie: Neil Jordan), das ziemlich uneinheitlich ist, aber dafür ungewöhnlich gewagt. Als Opfer eines Übergriffs im Central Park trachtet die seriöse Radiomoderatorin Erica (Foster) nach Rache - Spuren des Vigilanten-Standardwerks Taxi Driver, durch das Foster 1976 berühmt geworden war, lauern in New York an jeder Ecke. Ein Polizist (Terrence Howard) kommt ihr bald auf die Schliche, zeigt aber ein bisschen sehr viel Verständnis. Ein anderer Fall von Rollenflucht: Anne Hathaway zeigt sich in Love and Other Drugs (Servus TV, Samstag, 20.15 Uhr) von ihrer sinnlichen, dramatischen und komödiantischen Seite. Ein Jammer, dass es so selten geglückt ist, ihr Potenzial auf diese Art herauszukitzeln.

Rachethriller, Sixx, Sonntag 22.45 Uhr

Ready Player One

Steven Spielberg war mehr als 15 Jahre lang ein infantiler Regisseur im besten Sinne: mit einer kindlich überbordenden Freude an der Bewegung, die etwas Ansteckendes hatte. Ende der 1980er wurde er dann immer erwachsener, und seine Genrefilme tauschten immer öfter Unschuld gegen Moral ein. Manchmal mit fulminanten Ergebnissen (Minority Report), aber mitunter schien er nicht mehr ganz bei der Sache zu sein (The Lost World). Ready Player One (2018) hat eine Menge von beiden Extremen. Die Geschichte des jungen VR-Zockers Wade, dessen Leben im tristen Jahr 2045 bei einer digitalen Schnitzeljagd plötzlich einen politischen Twist erfährt, hat hinreißende Momente, witzige visuelle Ideen, clevere Zitate (von The Shining bis Zurück in die Zukunft) - und einige Leerstellen, die den Film länger wirken lassen, als er ohnehin schon ist.

Science Fiction, Pro Sieben, Sonntag 20.15 Uhr

Im Zwielicht

Spätestens seit Raymond Chandlers Privatschnüffler Philip Marlowe weiß man, dass scheinbar banale Fälle in die tiefsten Abgründe führen. Twilight (Originaltitel) erdreistet sich, seine Krimigeschichte um Pensionäre herumzustricken, so wie man das zuletzt 1977 bei The Late Show (Die Katze kennt den Mörder) erlebt hatte. In Twilight hilft der ehemalige Cop Harry (Paul Newman) einem befreundeten Schauspielerpaar (Gene Hackman und Susan Sarandon) und lernt dabei physische Schmerzen ebenso kennen wie seelische Daumenschrauben - aber er bleibt stur auf der Spur. Newman, mit 73 Jahren in einer seiner letzten Hauptrollen, spielt das mit derselben Altersgelassenheit wie in der ebenfalls von Robert Benton inszenierten Tragikomödie Nobody's Fool (1994), die leider noch seltener gezeigt wird als Twilight.

Krimi, One, Samstag 21.40 Uhr

© SZ vom 14.11.2020
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