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Türkei:Kritischer TV-Sender macht dicht

Aktion zur Pressefreiheit in der Türkei

Der Druck auf Journalisten in der Türkei ist groß. Hier demonstrieren in Hamburg lebende türkische Journalisten für Pressefreiheit.

(Foto: Christian Charisius/dpa)

Nur 26 Tage nach Wiedereröffnung stellt der türkische Sender Olay TV den Betrieb ein. Der Besitzer sagt, er könne "nicht weitermachen wegen der andauernden staatlichen Einmischung".

In der Türkei hat ein Fernsehsender nach nur 26 Tagen den Betrieb eingestellt. Grund sei der "große Druck" der Regierung auf den Eigner, wie der Chefredakteur von Olay TV, Süleyman Sarılar, am Freitag sagte. "Uns ist klar geworden, dass wir unser Programm nicht länger aufrechterhalten können." Der Besitzer des Senders, Cavit Çağlar, könne nach eigenen Worten nicht weitermachen wegen der andauernden staatlichen Einmischung.

Der Unternehmer und frühere Minister Çağlar hatte den Sender 1994 gegründet und betrieben - bis zur ersten Schließung 2019. Die Wiedereröffnung mit zahlreichen regierungskritischen Journalisten an Bord währte nun weniger als einen Monat.

Die Regionalzeitungen Evrensel und Birgun mutmaßten, Grund könnte unter anderem eine Übertragung einer Fraktionssitzung der pro-kurdischen HDP gewesen sein. Der Partei unterstellt die Regierung Verbindungen zur verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK. Die HDP, eine legale Partei, bestreitet dies.

Trotz des Schlusspunkts am Freitag versicherte Sarılar, man werde weitermachen. "Wir werden auf jeden Fall weiter freien Journalismus betreiben mit unseren 180 Kollegen."

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