Theodor-Wolff-Preis Günter Bannas geehrt

„Der Leser ist nicht so bequem und unwissend, wie manche glauben": FAZ-Journalist Günter Bannas.

(Foto: Paul Zinken/dpa)

Der langjährige FAZ-Hauptstadtbüroleiter wird auf einer Gala in Berlin für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Von David Denk

Kleiner Karrieretipp am Rande: Es kann sich durchaus rentieren, auf Vorgesetzte zu hören. Dabei war Malte Henk aus dem Dossier-Ressort der Zeit zuerst so gar nicht begeistert, als ihm seine stellvertretende Chefredakteurin diese sperrige Idee antrug. Erster Gedanke: "Was für ein kompliziertes Thema." Dann schrieb er doch. Dafür wurde er nun belohnt: Henks Text "Alles Zufall?", ein Essay "über die Macht des Unberechenbaren", wurde am Mittwoch in Berlin mit dem Theodor-Wolff-Preis des Verlegerverbands BDZV ausgezeichnet, der seit 1962 an den von den Nazis verfolgten Chef des Berliner Tagblatts erinnert.

Neben der Kategorie "Meinung", in der sich Henks Text durchsetzte, wurde der mit je 6000 Euro dotierte Preis in einer von Jörg Thadeusz moderierten Gala in den Kategorien "Thema des Jahres", "Lokales" und "Reportage" verliehen, hinzu kam die Lebenswerk-Ehrung für den langjährigen FAZ-Hauptstadtbüroleiter Günter Bannas. Als "Thema des Jahres" machte die Jury "Heimat und die Fremden" aus und teilte den Preis auf zwischen Hannes Kochs Erfahrungsbericht übers Zusammenleben mit einem syrischen Flüchtling, "Karim, ich muss dich abschieben" (taz), und Vanessa Vus "Meine Schrottcontainerkindheit" (Zeit Online) über ihr Aufwachsen im Asylbewerberheim. In der Kategorie "Reportage" wurde Lorenz Wagners Porträt der Fußballschiedsrichterin Bibiana Steinhaus "Nach ihrer Pfeife" aus dem Süddeutsche Zeitung Magazin prämiert, in der Kategorie "Lokales" Anna Lena Möskens "Als wäre nichts gewesen" (Berliner Zeitung), das Porträt einer Ersthelferin nach dem Terroranschlag auf dem Breitscheidplatz.

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung vom Potsdamer A-cappella-Quartett "Die Terzenbrecher", das im Knickerbocker-Zeitungsjungen-Outfit die großen Zeiten der Tagespresse beschwor. Ähnlich aus der Zeit gefallen wirkte die Bemerkung von Tagesspiegel-Chefredakteur und Jurymitglied Lorenz Maroldt, Vanessa Vus Text sei ja "bisher nur bei Zeit Online" erschienen und nicht in der Druckausgabe: "Vielleicht ändert sich das ja nun."

In seiner Laudatio auf den Lebenswerk-Preisträger würdigte SPD-Politiker Wolfgang Thierse den frisch in den Ruhestand verabschiedeten Günter Bannas als "Meister des Konjunktivs", den dieser als "Stilmittel der Distanz" einsetze. Bannas sei stets vorzüglich über Parteiinterna informiert, mitunter "genauer als ich, der dabei war", so Thierse. In seiner Dankesrede kündigte Bannas an, mit dem Schreiben nicht ganz aufzuhören, und forderte die Verleger auf, weiterhin in Qualität und Anspruch zu investieren: "Der Leser ist nicht so bequem und unwissend, wie manche glauben."

Ein Trost für alle, die diesmal nichts gewonnen haben: Es gibt wichtigere Auszeichnungen im Leben als Journalistenpreise. Beim Uedemer SV 1919 war man so begeistert von Sebastian Dalkowskis im "Lokalen" nominierten Stück "Fanta unser" (Rheinische Post), einem Wiedersehen mit seinem unorthodoxen Jugendtrainer, dass man ihm die Mitarbeit an der Jubiläumschronik anvertraut hat.