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Sport-Übertragung:Ring frei um Mitternacht

Das ZDF wagt sich wieder an Box-Übertragungen - erstmals seit 2010.

Eine Runde und 27 Sekunden lang standen sich Wladimir Klitschko und Corrie Sanders im März 2003 im Boxring gegenüber, insgesamt 207 Sekunden. Klitschko verlor. Nach dem vierten Niederschlag durch Sanders brach der Ringrichter ab. Übertragen wurden diese 207 Sekunden im ZDF, 9,15 Millionen Menschen hatten eingeschaltet, mehr als je zuvor bei einer Boxübertragung des Senders. Doch an diese 207 Sekunden kam das ZDF mit seinen Boxabenden nicht mehr heran.

In der Nacht auf den Sonntag überträgt der Sender wieder einen Boxkampf, erstmals seit 2010. Damals hatten 2,7 Millionen zugeschaut - aus heutiger Sicht: immerhin 2,7 Millionen. Das deutsche Boxen ist in der Nische verschwunden, ohne Geld, ohne große Namen. "Es ist ein Experiment", sagt ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann, "wir wollen schauen, ob dieser Traditionssport, der sich aus der Talsohle herauszukämpfen versucht, wieder ein größeres Publikum erreichen kann."

Wie schon von 2002 bis 2010 überträgt das ZDF die Kampfabende des Universum-Teams, das nach einer Insolvenz aufgelöst worden war und nun von Isamil Özen-Otto, dem Schwiegersohn des Versandhausunternehmers Michael Otto, neu aufgestellt wird. Auch Özen-Otto hat keinen Klitschko - aber, sagt Fuhrmann, das neue Universum versuche, seriös zu arbeiten. Fuhrmann spricht von den strengsten Dopingkontrollen im Boxen, er sagt: "Wir versuchen authentisches Boxen zu zeigen: keine Absprachen, keine Tricks, kein Doping." Zwei Kampfabende sind für dieses Experiment vereinbart, doch dass die Ansprüche bescheidener geworden sind, dass keiner mehr von Quoten wie bei Klitschko träumt, das zeigt sich auch an der Sendezeit: Die Übertragung beginnt um 0.25 Uhr.

ZDF Sportextra, Nacht zu Sonntag, 0.25 Uhr.