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Soziales Netzwerk:Tiktok-Chef räumt Fehler ein

Der Chef der chinesischen Video-App TikTok, Alex Zhu, hat Versäumnisse eingeräumt. "Wir waren nicht gut genug darin, uns an Kulturen anzupassen", sagte Zhu dem Spiegel , "ich gebe zu, dass wir in der Vergangenheit auch nicht transparent genug waren." Tiktok gehört dem chinesischen Unternehmen ByteDance und steht unter anderem wegen angeblicher Spionage und dem Verbergen chinakritischer Inhalte in der Kritik.

Das soziale Netzwerk ist vor allem bei Jugendlichen beliebt und könnte Facebook und Instagram Konkurrenz machen. Wie auch andere Apps sammelt Tiktok Nutzerdaten und gibt diese weiter - allerdings könnten diese direkt an chinesische Behörden gelangen. Die US-Regierung prüft derzeit, wie stark der Einfluss der chinesischen Regierung auf Tiktok-Nutzerdaten ist. In der Vergangenheit soll die Plattform Videos von Nutzern mit Behinderung versteckt haben, das millionenfach aufgerufene Video einer Nutzerin, die die Verfolgung muslimischer Uiguren in China anprangerte, wurde zwischenzeitlich gelöscht.

Gegenüber dem Spiegel wehrt Zhu sich gegen Zensurvorwürfe. Das Nachrichtenmagazin zitiert ihn mit den Worten: "Kein einziges Mal haben wir in der Vergangenheit eine Löschanfrage von chinesischen Behörden bekommen." Eine "wirklich gute Antwort" darauf, wie sein Unternehmen mit politischen Inhalten umgehen solle, habe er bis heute nicht, sagte Zhu.

In Kürze, so berichtet der Spiegel weiter, will Tiktok in Dublin einen neuen Standort eröffnen. Dieser soll Inhalte und Moderation für den europäischen Markt verantworten. Außerdem soll das europäische Tiktok-Team bis Jahresende von 300 auf mehr als 1000 Mitarbeiter aufgestockt werden. In Deutschland hochgeladene Videos würden dann nur noch von Mitarbeitern außerhalb Chinas überprüft. Bis jetzt seien "weniger als 20 Personen" in Peking für die Überprüfung deutscher Videos zuständig.

© SZ vom 18.01.2020 / sz
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