Sitcom Ohne großen Knall

Beliebte Nerds: Zumindest beim TV-Publikum kam die Clique um Sheldon Cooper (Jim Parsons, links) gut an.

(Foto: Warner Bros. Entertainment Inc.)

Die letzte Folge der einst witzigen Serie "Big Bang Theory" wird im Mai nach 279 Folgen in zwölf Staffeln in den USA ausgestrahlt. Endlich. Über ein trauriges Ende.

Von Jürgen Schmieder

Endlich. Es kommt einer Erlösung gleich, dass The Big Bang Theory im Mai, nach 279 Folgen in zwölf Staffeln, endet. Diese Sitcom über - nun ja, worüber eigentlich noch? Sie hat sich so weit von ihrer unterhaltsamen Prämisse entfernt, und sie hat ihre Protagonisten so eindimensional werden lassen, dass sie sich zum Symbol für Hate Watching entwickelt hat, das Hassgucken. Viele Zuschauer, in den USA noch immer mehr als zwölf Millionen pro Folge, schalten nur ein, damit sie sich aufregen können.

The Big Bang Theory ist beim Start 2007 eine Serie über einen liebenswerten Nerd gewesen, der sich hoffnungslos in das hübsche Mädchen von nebenan verliebt. Sie hat zwar plumpe Stereotype bedient wie die naive Möchtegern-Schauspielerin aus der Provinz, das sozial inkompetente Genie oder den schüchternen Typen aus dem Ausland, aber mit der Überzeichnung auch auf den Wandel in der westlichen Gesellschaft angespielt, in der Menschen wie Mark Zuckerberg, Elon Musk oder Larry Page große Unternehmen führen. Das ist witzig gewesen, viele Staffeln lang. Sheldon Cooper zum Beispiel, eine Art intellektueller Mister Bean, gehört heute ebenso zum popkulturellen Kanon wie sein Ausruf "Bazinga" bei Streichen. Jim Parsons verkörpert die skurrile Figur noch immer genialisch, er ist nun auch der Erzähler des Prequels Young Sheldon, in dem die Kindheit dieses sozial inkompatiblen Genies thematisiert wird. Vielleicht liegt da das Problem: Es geht immer weiter bei The Big Bang Theory, auch wenn die Geschichte längst erzählt ist. Sie hätte enden müssen, schon vor einigen Staffeln. Das haben die Erfinder Chuck Lorre und Bill Brady sowie Showrunner Steven Molaro verpasst, und wahrscheinlich ist es nicht mal ihre Schuld. Die Serie ist finanziell zu erfolgreich, um sie einzustellen. TV-Serien mit zweistelligem Millionenpublikum sind im Streamingzeitalter so selten wie Fotos von Schwarzen Löchern, die Serie ist ein Milliarden-Dollar-Franchise, die fünf Hauptdarsteller verdienen in dieser Spielzeit je eine Million Dollar pro Folge. Das führt dazu, dass die Figuren nicht glücklich bis ans Ende ihrer Tage leben dürfen. Im Gegenteil.

Sie leiden, und den Schauspielern ist anzumerken, dass sie daran leiden, das verkörpern zu müssen. Protagonist Leonard hat die Angebetete von nebenan geheiratet, vor vier Spielzeiten, doch muss er noch immer ständig seine Dankbarkeit dafür ausdrücken - während sie die Ahnungslose mit Alkoholproblem bleibt, die sie immer war. Das Publikum will nicht mehr mit den Figuren lachen, es will nicht mal mehr über sie lachen. Das Gegenteil von Gemochtwerden ist eben nicht Abneigung, sondern Gleichgültigkeit. So hat sich die Sitcom selbst zerstört. Am 16. Mai wird in den USA die letzte Folge gezeigt, Regisseur Mark Cedrowski sagt: "Es wird keine Atombombe geben, die alles auslöscht. Die Figuren werden auch nach dem Ende der Serie weiterleben." Mögen sie das glücklich bis ans Ende ihrer Tage tun. Hauptsache, man muss ihnen nicht mehr zusehen.