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Sexuelle Belästigung:"Das waren Fehler"

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„Es kann sein, dass sich einige Frauen wegen meiner Avancen, die Jahrzehnte zurückliegen, unwohl gefühlt haben“: Moonves mit Ehefrau Julie Chen.

(Foto: Adrian Sanchez-Gonzalez/AFP)

CBS untersucht Vorwürfe gegen Konzernchef Leslie Moonves. Erhoben werden sie im "New Yorker" von mehreren Frauen, die mit dem Journalisten Ronan Farrow sprachen.

Von Jürgen Schmieder

Bei der Frage, wie tief einer fallen kann, ist nicht unwichtig, wie hoch einer schwebt. Leslie Moonves ist Chef des Medienkonzerns CBS, er verantwortet den erfolgreichsten amerikanischen Sender, weltweite Serienhits wie The Big Bang Theory, den Pay-TV-Sender Showtime, den Verlag Simon & Schuster. Im vergangenen Jahr hat er 69,3 Millionen Dollar verdient, so viel wie kaum ein anderer Geschäftsführer auf der Welt. Moonves ist, wie man in Hollywood sagt: ganz oben. Er ist jedoch nicht nur mächtig und gefürchtet, sondern wird auch geschätzt, während der "Me Too"-Debatte gründete er zwei Organisationen, eine gegen sexuelle Nötigung und eine für Gleichberechtigung am Arbeitsplatz.

Dieses fast makellose Image wird nun beschädigt, sechs Frauen werfen ihm in einem Artikel in der Zeitschrift The New Yorker sexuelle Nötigung vor und beschuldigen ihn, dass er versucht habe, bei erfolglosen Avancen die jeweiligen Karrieren zu zerstören. Autor des Textes ist Ronan Farrow, der im New Yorker 2017 den Skandal um Produzent Harvey Weinstein ins Rollen brachte und dafür den Pulitzer-Preis erhielt. Die Beschuldigung gegen Moonves lautet auch, er habe bei CBS eine Kultur geduldet oder wenigstens übersehen, in der sexuelle Übergriffe ermöglicht worden seien. Bei Produktionen wie 60 Minutes soll es zugegangen sein wie in einer männlichen Studentenverbindung, der CBS-Journalist Charlie Rose wurde im vorigen Jahr gefeuert, nachdem 35 Frauen ihn der sexuellen Nötigung beschuldigt hatten. Schon das warf kein gutes Licht auf Moonves, von dem es heißt, dass er über sämtliche Vorgänge im Unternehmen informiert werden will und auch scheinbar unbedeutende Angelegenheiten selbst regelt.

Der 68-jährige New Yorker gilt in der Unterhaltungsbranche als Erfolgsmacher, als Chef der Produktionsfirma Warner Bros. etwa genehmigte er Serien wie Emergency Room oder Friends. 1995 kam er zu CBS, war dort verantwortlich für Welthits wie Survivor, Two and a Half Men oder CSI. 2016 wurde Moonves oberster CBS-Chefund den Aktionären imponiert, dass er den Konzernerfolg fast über alles stellt.

Moonves selbst gibt einige Vorwürfe zu, wehrt sich jedoch dagegen, etwas gegen den Willen der Frauen getan oder seine Machtposition missbraucht zu haben: "Es kann sein, dass sich einige Frauen wegen meiner Avancen, die Jahrzehnte zurückliegen, unwohl gefühlt haben. Das waren Fehler, die ich unendlich bereue. Ich habe jedoch immer das Prinzip 'Nein bedeutet Nein' akzeptiert." Der Aufsichtsrat von CBS hat eine interne Untersuchung angekündigt.

© SZ vom 30.07.2018
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