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Serie "BH 90210":Was hätte sein können

Keiner hat das gebraucht, jeder schaute: BH 90210, das Original.

(Foto: TVNOW/ ©2019 Fox)

Die Kultserie "Beverly Hills 90210" lebt wieder auf - als Fake Reality: Die Darsteller spielen sich selbst.

Es ist sicherlich nicht zu viel verraten, wenn an dieser Stelle erwähnt wird, dass Denise Richards einen Gastauftritt in der Serie BH 90210 hat. Ihre Karriere begann im Original Beverly Hills, 90210. Sie spielte im Spinoff Melrose Place mit, war mit Charlie Sheen verheiratet und kürzlich in der Reality Show The Real Housewives of Beverly Hills zu sehen. Es kann keine symbolischere Figur geben für diesen Ort, diese Postleitzahl, dieses Lebensgefühl als Richards, und sie dient auch als Symbol dafür, warum diese Staffel, die nun auch in Deutschland zu sehen ist, derart prächtig funktioniert hat. Es ist die Show, von der niemand gedacht hat, dass er sie so lieben würde. Ach was: Es ist die Serie, die keiner gebraucht hat und dennoch jeder sehen sollte.

Die Produzenten sind ein gewaltiges Risiko eingegangen, weil BH 90210 keine Fortsetzung ist, keine Neuauflage und auch kein Spin-Off. Es ist eine Fake-Reality-Show, die Darsteller spielen überzeichnete Versionen ihrer selbst - was also aus ihnen hätte werden können: Tori Spelling, die damals die überkandidelte Donna gespielt hat, soll mittlerweile Reality-TV-Star sein (sie hat tatsächlich in einem der Formate mitgemacht), Brian Austin Green (im wahren Leben verheiratet mit der Schauspielerin Megan Fox) gibt den unglücklichen Ehemann eines Mega-Popstars, und Shannen Doherty (nun Aktivistin) ist eine Hippie-Tierschützerin, die (wie im echten Leben) nicht wirklich was mit den anderen zu tun haben will.

Die Anspielungen auf die legendäre Serie und die Karrieren der Darsteller sind endlos, was eine Freude für alle Fans von damals sein dürfte. BH 90210 schwelgt jedoch nicht in Nostalgie und zählt nicht zu den einfallslosen Hach-war-das-damals-toll-Formaten, die nun inflationär häufig zu ertragen sind. Die Serie nimmt sich selbst nicht allzu ernst, wohl aber diese Botschaft, die sie schon damals transportiert hat: Die Menschen mögen stinkreich sein und an einem der wunderbarsten Orte der Welt leben - die Ängste, Sorgen und Nöte sind denen der Zuschauer gar nicht mal so unähnlich.

Das führt zu Richards, die am Ende der nur sechs Folgen dauernden Staffel auftaucht und - halt, es nicht zu viel verraten! Nur so viel: Die Situation wird nicht gelöst, sondern dient als Hinweis auf eine mögliche nächste Staffel. Der Sender Fox hat BH 90210 allerdings abgesetzt, Unterhaltungschef Michael Thorn begründet das damit, dass Fox die "tolle Idee nicht in ein langfristiges Konzept, das nicht tragbar ist, verwandeln" wollte.

Eine verblüffende Entscheidung, weil Kritiken und Quoten sehr gut waren. Es könnte aber sein, dass die Verantwortlichen nur eine weitere Meta-Ebene einführen wollten. Tori Spelling, als Produzentin verantwortlich für die erste Staffel, schrieb auf Instagram: "Die Show ist so meta, dass all die Realität da draußen nur dafür sorgt, dass wir uns entwickeln und großartige Geschichten erzählen können. Unser Ziel ist es, die Leute grübeln zu lassen, was als Nächstes passieren könnte." Na dann: weitermachen, bitte!

BH 90210, bei TV Now.

© SZ vom 22.01.2020
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