Persiflagen auf Polit-Magazine:Brisant amüsant

Walulis sieht fern Politmagazin

Walulis sieht fern - Thema: Politmagazin.

(Foto: Screenshot, NDR.de)

Ganz schön böse: Bei "Walulis sieht fern" wird das typische deutsche Politmagazin auseinandergenommen. Auch andere inspiriert diese Art des TV-Journalismus zu fiesen Filmchen.

So dynamisch, so investigativ: TV-Satiriker Philipp Walulis hat sich in seiner jüngsten Sendung den Politjournalismus vorgenommen. Entstanden ist die Persiflage investigativ - das typische polit-magazin (natürlich alles kleingeschrieben), zu sehen hier.

Schwenk, Zoom, Schritt auf die Kamera zu, natürlich muss es so losgehen, und was folgt, wird vielen irgendwie bekannt vorkommen. "Schlimm. Schlimm, schlimm, schlimm", sagt ein "armes Opfer", untermalt mit gefühliger Musik. Opfer? Vielleicht auch selber schuld, egal. Kamerawirksam hektisch recherchiert wird von der Redaktion natürlich in jedem Fall, "das vermittelt dem Zuschauer den Eindruck, dass seine Gebührengelder bestens angelegt sind".

Bedrohlicher Bass wummert, irgendwann ein investigatives Interview mit verfremdeter Stimme der Quelle, dann irgendein Experte. Später: "Wir lauern irgendeinem Politker mit einem Kamerateam auf und stellen ihn zur Rede, warum er sich nicht höchstpersönlich um jede Kleinigkeit kümmert". Am Ende irgendwann das unvermeidliche Fazit des Opfers, "Schlimm, schlimm, schlimm. Schlimm! Schlimm schlimm schlimm."

Ja, es lässt sich schön lästern über die Standards der Politmagazine. Walulis hat offenbar einen Treffer gelandet.

Wer davon nicht genug bekommt - es gibt noch mehr. Einiges wird aus gegebenem Anlass gerade bei Twitter weiterempfohlen. Zum Bespiel das Filmchen "Investigativer Journalismus" hier auf YouTube, ursprünglich einmal zu sehen in der SWR3 latenight.

Die Satire eines Beitrages, "der vorgibt, von irgendetwas zu handeln", mit dem fiktiven Reporter Pierre M. Krause, der mit "monotoner Stimme im Roboterduktus" spricht und auch gerne mal "bedeutungsschwanger eine scheinbar wichtige Frage" stellt.

Mit einem Experten, "der vom einem Bücherregal stehend irgendetwas Expertenmäßiges zum Thema sagen wird", völlig unmotivierte Außenaufnahmen an lärmigen Straßen und in Fußgängerzonen. Weibliche Brüste, ein Taxistand, eine Ente, Nahaufnahmen von Geldscheinen, "besonders wichtig ist dabei, dass der kleine Mann auf der Straße etwas sagt". Natürlich bleibt es auch hier dem Reporter, den Beitrag zu schließen - "Warum? Weil ich es kann".

Und auch die englischsprachigen Kollegen geben Lästermäulern Stoff genug. Auf YouTube zu finden ist etwa eine Persiflage von BBC Four: "Charlie Brooker's How to Report the News". Der bekannte Baukasten fürs Politmagazin, hier mit britisch-trockenem Humor präsentiert.

Aufnahmen wichtiger Locations, Einblendungen von Fakten, "Geplapper" von Leuten auf der Straße, Kamerakniffe und animierte Grafiken, ob sie nun passen oder nicht. Besondere Häme gießt auch diese Variante über dem investigativen Reportertypus aus, der während der Moderation besonders gerne mit wichtiger Miene durch die Menge schreitet: "... ignoring all the pricks milling around him like he's gliding through the f***cking matrix ..."

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