Ottfried Fischer gewinnt gegen "Bild" "Staatsanwaltschaft und Kripo waren heute bei mir"

Der Verlag war während der gesamten Gerichtsverhandlung präsent. Eine Springer-Juristin, die den Prozess aufmerksam verfolgte, reichte des öfteren Papiere an den Angeklagten und an dessen Verteidiger weiter. Zeugen wollen darauf die Anweisung gesehen haben, nicht zu gestehen. Ein Geständnis hätte womöglich den Staatsanwalt besänftigt, wäre aber für Bild peinlich gewesen. Der Verteidiger des 29-jährigen Angeklagten sagt, er habe eine solche Weisung per Zettel nicht gesehen und hätte sie auch niemals akzeptiert. Ottfried Fischers Anwalt Christoph Knauer dagegen nannte die Zettelpost spöttisch den "langen Arm der Bild-Zeitung".

Den spüren manche Prominente angeblich öfter. Die Moderatorin Charlotte Roche hat es einmal so beschrieben: "Die haben mich eisenhart erpresst, als ich gerade meine drei Brüder verloren hatte. Bei vielen dieser Promi-Geschichten, die in der Bild-Zeitung stehen, kannst Du davon ausgehen, dass die durch Erpressung oder Angst vor Erpressung entstanden sind. Die können sagen, wir möchten eine Geschichte mit Dir machen, Du arbeitest mit und gibst uns ein Interview, das wie freiwillig aussieht, oder Du kriegst zehn negative Schlagzeilen. Und das heißt, Du bist am Ende in Deutschland." Der Springer-Verlag hat solche Behauptungen immer vehement bestritten.

Viele Prominente haben den langen Arm von Bild als so aufdringlich empfunden, dass sie irgendwann eine klare Haltung annahmen, sich nicht benutzen zu lassen. Es ist eine Haltung mit Risiken, denn wer so handelt, der könnte von Bild ignoriert oder bloßgestellt werden. Aber inzwischen gibt es sogar schon Prominente, die sich mit Kritik an Bild profilieren, etwa als Unterstützer von Bildblog im Internet.

Fischers Agentin erklärte in ihrer Zeugenaussage, der Bild-Mann habe nicht gedroht. Man werde in diesem Geschäft immer vor irgendwelche Tatsachen gestellt und müsse dann überlegen, ob man gemeinsam etwas Positives mache oder nicht. Mit anderen Worten: Man ist selbst dafür verantwortlich, ob man das Gesäusel von Klatschreportern als drohend empfindet oder nicht.

Ottfried Fischer jedenfalls fühlte sich bedroht und wehrte sich. Nicht jeder Prominente wird bereit sein, solche Zumutungen auf sich zu nehmen, zumal ja in der nächsten Instanz eine weitere Verhandlung ansteht. Aber der Schauspieler ist diesmal entschlossen, reinen Tisch zu machen.

Nach dem Prozess in München hat er deswegen auch gleich den Vertrag mit seiner Agentin aufgehoben. Sie hat dem damaligen Bild-Redakteur im gesamten Strafverfahren keinen Vorwurf gemacht. Deals, sagte sie, seien eben durchaus üblich. Ihr Verhalten hat aus Fischers Sicht die Frage aufgeworfen, wem gegenüber sie eigentlich loyal war: Ihrem Auftraggeber Fischer oder dem Bild-Mann, den sie schon seit längerer Zeit kannte. Im Zuge der Ermittlungen schickte sie dem Journalisten eine SMS: "Staatsanwaltschaft und Kripo waren heute bei mir. Die verklagen Dich!" Aus Fischers Sicht heißt das: Im Streit mit Bild kann man nicht mal eigenen Helfern vertrauen.