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Online-Klatsch:Teure Rache

Der Milliardär Peter Thiel fühlte sich von Gawker verfolgt. Deshalb finanzierte er eine millionenschwere Klage des Wrestlers Hulk Hogan gegen das Online-Klatschportal - und gewann damit. Nun wird Gawker versteigert. Ein Sieg für die Privatsphäre?

Das Merkwürdigste an der Versteigerung des Online-Klatschportals Gawker ist der Artikel, den Peter Thiel dazu in der New York Times veröffentlicht hat. Die Debatte um den Schutz der Privatsphäre im Internet werde mit Gawker nicht enden, schreibt der Unternehmer aus dem Silicon Valley, der Paypal gegründet und Facebook mit dem ersten externen Kapital versorgt hat. Mit Gawker ist es vorbei, weil Thiel seine Privatsphäre beeinträchtigt sah und er sich rächen wollte.

Gawker hatte ihn vor Jahren als schwul geoutet. Deshalb finanzierte Thiel die Klage Hulk Hogans gegen Gawker, das ein Sexvideo des früheren Wrestlers in Umlauf gebracht hatte. Hogan wurden im Mai von einem Richter in Florida 140 Millionen Dollar Schadenersatz zugestanden, was das Ende für Gawker brachte. Das erste Angebot, das für die Auktion am Dienstag einging, waren 90 Millionen von der Online-Firma Ziff Davis. Die würden nicht einmal reichen, um die juristischen Außenstände zu begleichen.

Das einzige Gegengebot kam Berichten zufolge vom spanischsprachigen der TV-Anbieter Univision.

Bisher ist Thiel nicht unbedingt als Schutzengel der Privatsphäre, zum Beispiel bei Facebook, aufgefallen. Auf dem Nominierungsparteitag für Donald Trump bezeichnete er sich stolz als schwul, Republikaner und Amerikaner. Dafür erhielt er, wie er in seinem Artikel nicht zu erwähnen vergisst, Beifall von der Versammlung, die sonst gern Hillary Clinton hinter Schloss und Riegel gesehen hätte. Als Student in Stanford rief Thiel dazu auf, Schwule bloßzustellen, aber heute will er auf der Seite jener Medien stehen, die ihre Klicks nicht mit dem Blick ins Sexleben fremder Leute vermehren wollen. Thiel erwähnt auch, wie wichtig eine freie Presse sei, und dass er nicht Richter darüber sein wolle, was veröffentlicht werde und was nicht. Vielmehr sei es Aufgabe der Journalisten, jene zu verurteilen, die zu weit gingen. Doch anders als Journalisten, die sich über Journalisten empören, hat ein Milliardär wie Thiel durchsetzungsfähige Argumente.

Gawker sieht sich als Opfer eines sehr reichen Mannes, dem die Pressefreiheit egal ist, wenn er seine Macht ausspielen kann. Der britische Journalist Nick Denton hatte das Magazin 2002 gegründet und hat es mit einer Reihe von Skandalen zum Erfolg und zum verheimlichten Informationsmedium für die klatschsüchtige Welt von New York und Los Angeles gemacht. Die Times charakterisierte ihn als einen Mann "mit religiöser Hingabe an die Wahrheit, dem aber alle Menschlichkeit offenbar fremd ist". Dass es mit Gawker vorbei ist, erfüllt jetzt nicht wenige mit Schadenfreude. Aber dass ein so mächtiger Trump-Unterstützer gewonnen hat, wird auch nicht viele freuen.