Nominierungen für den Grimme Online Award Gute Chancen für Apps

Sascha Lobo, ein Twitter-Account des ZDF und die Tagesschau-App: Beim diesjährigen Grimme Online Award setzt die Nominierungskommission auf publizistische Angebote, die "die Netzwelt mit dem öffentlichen Raum verbinden". Doch die Jury sieht auch Bedarf für grundsätzliche Kritik.

Erstmals haben es auch Apps für mobile Geräte auf die Nominierungsliste geschafft: 25 herausragende Angebote aus allen Bereichen hat die Kommission des Grimme-Instituts für den Grimme Online Award 2012 nominiert. "Breiter und vielfältiger könnte das Spektrum kaum sein", fasst Grimme-Direktor Uwe Kammann zusammen. "Das gilt für alle Aspekte, von den Inhalten bis zu den Formen, den Zielsetzungen und der inneren Aufbereitung."

Unter den Favoriten beim Grimme Online Award 2012: die App der Tagesschau.

(Foto: dapd)

Aus etwa 1900 Vorschlägen wählte die Kommission ihre Favoriten für die Endrunde, in den Kategorien Information, Wissen und Bildung, Kultur und Unterhaltung, und Spezial. Dabei haben sehr unterschiedliche publizistische Angebote die Anerkennung der Prüfer gefunden.

Auf der Liste der Nominierten finden sich sowohl Autoren-Kolumnen wie die "Mensch-Maschine" von Sascha Lobo oder das Reisetagebuch "Vor mir die Welt" von Meike Winnemuth, als auch "Memory Loops", ein Audiokunstwerk, das mit Tonspuren zu Orten des NS-Terrors in München führt, sowie das Projekt "Radioortung" des Deutschlandfunks, das via GPS-Ortung auf Handys ortsbezogene Hörspiele in Berlin und Köln ausstrahlt.

"Auffallend viele Angebote wurden vorgeschlagen, die im Sinne einer erweiterten Realität die Netzwelt mit dem öffentlichen Raum verbinden", beschreibt die Nominierungskommission ihre Beobachtungen. "Die Netzwelt und der Ort, an dem wir uns befinden, verschmelzen miteinander." Ein Beispiel dafür ist auch der Twitter-Account @reporterZDF, über den der Follower in Echtzeit sowohl über das Ereignis an sich, als auch über die Arbeit der ZDF-Reporter vor Ort und damit den Entstehungsprozess der Reportage informiert wird.

Etwas abseits klassischer journalistischer Angebote stehen auch das "Parteispenden-Watch" der taz, sowie der "Zugmonitor" der Süddeutschen Zeitung, die für ihre überzeugende Datenvisualisierung nominiert wurden.

Zum ersten Mal waren auch Apps für mobile Geräte für den Grimme Online Award zugelassen - und prompt schafften es zwei auf die Nominierungsliste: In der Kategorie Information sind die Apps der Frankfurter Rundschau und der Tagesschau der Kommission besonders positiv aufgefallen. Dabei räumt diese aber ein, dass sehr viele konkurrierende App-Angebote nicht für den Award zugelassen waren, weil sie nicht plattformübergreifend zur Verfügung stehen.

Doch auch inhaltliche Kritik äußerte die Nominierungskommission nach Sichtung der Vorschläge bereits: So seien bei vielen - auch den "qualitativ insgesamt herausragenden Produktionen" - bessere Vernetzung mit der Zielgruppe und ausführlichere Informationen zu den Betreibern und der Idee hinter der jeweiligen Onlinepräsenz wünschenswert: "Viele Webseiten erklären sich ihren neuen Besuchern viel zu schlecht."

Alle Nominierten der Grimme Online Awards 2012 auf einen Blick.