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Neues Format:Seitenwechsel

Katharine Viner, Jahrgang 1971, ist seit 2015 die erste Chefin in der Geschichte des britischen Guardian. Sie hat ehrgeizige Pläne, aber wenig Geld: Ihr Blatt muss sparen.

(Foto: Alicia Canter)

Der britische "Guardian" erscheint nun als Tabloid und wird bei der Konkurrenz gedruckt. Die Auslagerung ist Teil eines Drei-Jahres-Programms, um Kosten zu senken und Umsätze zu steigern. Im laufenden Geschäftsjahr soll es mit den Verlusten vorbei sein.

Die Zukunft der Druckmaschinen made in Germany, von MAN Roland, ist ungewiss. Im Jahr 2005 änderte die britische Tageszeitung Guardian schon einmal die Größe ihrer Seiten, erschien von da an im kleineren "Berliner Format". Der Verlag des linksliberalen Blattes investierte dafür 50 Millionen Pfund in neue Maschinen für seine Druckereien in London und Manchester. Jetzt verschrieb das Management dem verlustträchtigen Medium wieder andere Maße: Am Montag lag der Guardian erstmals im noch kleineren Tabloid-Format in den Kioskregalen. Diese Größe ist vor allem bei Boulevardzeitungen beliebt.

Die bisher genutzten Druckmaschinen werden nicht mehr gebraucht. "Wir prüfen gerade, was wir mit ihnen machen können", sagt David Pemsel, Vorstandschef des Verlags Guardian Media Group (GMG). Es bleiben wohl nur zwei Lösungen: verkaufen oder verschrotten. Im Jahr 2005 verkleinerte die Zeitung ihr Format, um jünger und frischer zu wirken und in der U-Bahn bequemer lesbar zu sein. Der neue Schrumpfkurs hingegen soll schlicht die Kosten senken. Der Verlag druckt die Zeitung nun nicht mehr selbst, sondern beauftragt den Rivalen Trinity Mirror, der das linke Boulevardblatt Daily Mirror herausgibt. Diese Auslagerung spart mehrere Millionen Pfund im Jahr ein, aber Voraussetzung war eben, dass der Guardian und sein Schwesterblatt am Sonntag, The Observer, auf Boulevardmaße gestutzt werden.

"Die Redaktion ist zu weiß, zu männlich, zu vornehm."

Verlagschef Pemsel sagt, die Einsparungen beim Druck seien wichtig, um das Blatt wie geplant bis April 2019 wieder profitabel zu machen. Der Guardian war in den vergangenen Jahren journalistisch sehr erfolgreich, 2014 erhielt die Redaktion mit ihren 750 Beschäftigten den wichtigen Pulitzer-Preis für die Enthüllungen des ehemaligen amerikanischen Geheimdienst-Mitarbeiters Edward Snowden. Auch die Zahl der Besucher der Website stieg kräftig, doch die Einnahmen durch Internetanzeigen und freiwillige Beiträge von Onlinelesern können die Rückgänge bei Print nicht auffangen. Die Auflage hat sich im vergangenen Jahrzehnt mehr als halbiert auf 147 000, und viele Werbekunden buchen statt einer Zeitungsanzeige lieber Reklame bei Facebook oder Google. Deswegen schreibt der Guardian seit Jahren Verluste, genau wie einige andere britische Zeitungen.

Eigentümer ist eine Stiftung, der Scott Trust. Dessen einzige Aufgabe: die Existenz der Zeitung zu sichern, Gewinne sind zweitrangig. Daher hat die Stiftung die Verluste des Blatts lange toleriert. Ein Modell für eine gedeihliche Zukunft sind Verluste in Serie jedoch nicht. Im Sommer 2015 wurde Pemsel Verlagschef, zugleich löste Katharine Viner den langjährigen Chefredakteur Alan Rusbridger ab. Der hoch angesehene Rusbridger hatte die Redaktion stark ausgebaut, um aus dem Guardian eine weltweit gelesene Online-Nachrichtenseite zu machen. Das war teuer. Das neue Führungsduo startete ein Drei-Jahres-Programm, um Kosten zu senken und Umsätze zu steigern.

Im Geschäftsjahr 2017/18, das im April endet, sollen die Verluste nur noch 25 Millionen Pfund betragen, die Hälfte weniger als vor zwei Jahren; 2018/19 sollen sich Einnahmen und Ausgaben dann die Waage halten. Unter anderem strich das Duo dafür 300 Stellen in Redaktion und Verlag.

Chefredakteurin Viner hat schon Pläne geschmiedet für die Zeit, wenn der Guardian profitabel ist und sie wieder Geld für Projekte hat. "Ich will den Guardian vielfältiger machen", sagt sie. "Die Redaktion ist zu weiß, zu männlich, zu vornehm." Das Problem sei beim Guardian nicht so schlimm wie bei anderen Medien, "aber das reicht nicht".