Neu am Kiosk Feuchtgebiet

Gentle Rain, Hamburgs englischsprachiges Stadtmagazin. Die 100-seitige erste Ausgabe ist für 8 Euro im Handel und unter gentlerainmag.com erhältlich.

(Foto: Promo)

Ein englischsprachiges Magazin über die kreative Kraft und die Debattenkultur Hamburgs - nicht gerade kritisch, aber leidenschaftlich.

Von Thomas Hahn

Der Hamburger Regen war auch in diesem Jahr pünktlich. Als der Sommer beginnen sollte, kam er über die Stadt und kehrte über Wochen fast jeden Tag zuverlässig zurück. Allerdings fehlte ihm diesmal jene Noblesse, die einen hanseatischen Regen von den monsunartigen Güssen anderer Standorte abhebt. Der Hamburger Regen 2016 war kein Niesel, der die Stadt vornehm benetzte. Er platschte und klatschte ohne Maß. Man wurde fast jeden Tag richtig nass. Freundlich war das nicht und damit auch nicht das richtige Wetter für das erste englischsprachige Hamburg-Magazin mit dem schönen Titel Gentle Rain - Untertitel: "and other reasons to love Hamburg"-, das nun in den Handel kommt.

Pech. Aber man muss sich davon nicht irritieren lassen. Das neue Heft aus dem Redaktions- und Design-Büro "Die Brueder" ist gedacht für Gäste, Zugereiste, Sesshafte aus dem Ausland und solche, die es werden wollen. Es will ihnen einen Eindruck von der kreativen Kraft und Debattenkultur der Hansestadt vermitteln. Und das könnte gelingen mit dem redaktionellen Konzept, das sich Themen mal künstlerisch, mal journalistisch nähert und dabei verschiedene Perspektiven auf diesen herrlichen, widersprüchlichen Häuser-und-Hafen-Koloss Hamburg eröffnet.

Gentle Rain erscheint zweimal jährlich als sogenanntes Bookazine - im jüngsten Erfolgsformat der Printbranche also, das die Eigenschaften von Buch und Magazin zu einem neuen Genre des nachhaltigen Infotainments vereinen soll. Das darf man dann wohl als Versprechen für die nächsten Ausgaben werten, denn für ein echtes Bookazine wirkt das Heft noch zu unruhig und kurzatmig. Bei Freunden der ausgeruhten Reportage riskiert es Produktenttäuschungen. Es zeigt eine stimmungsvolle Fotostrecke vom Weg zur Hamburger Insel Neuwerk, aber beschreibt die dramatische Schönheit des Watts dann nur in einem dünnen Anekdoten-Textchen. Gern würde man in den Geschichten einer echten Seemannskneipen-Wirtin versinken - bevor es dazu kommt, ist das Interview mit Evelyn Subbert, der exzentrischen Chefin des "Seeteufels", schon wieder zu Ende.

Einen Einblick ins urbane Leben bietet das Heft trotzdem. Zumindest in jenen Teil, in dem Hamburg bürgerlich, jung und kreativ ist. In den Porträts treten auf: der Betreiber eines Start-ups für Kamera-Drohnen, die Gründerin eines Teppich-Geschäfts, ein Fotograf, der sich nach Plänen aus dem Internet ein Boot baut. Die Elbphilharmonie wird als Ikone des Hamburger Zukunftsdenkens gefeiert. Und das längste Stück ist ein verdienstvoller Report über den Streit um St. Paulis Flakbunker, dem der Pächter ein begrüntes Gebäude für Gewerbe und Öffentlichkeit aufsetzen will.

Dass Hamburg auch echte Probleme hat, müssen die Gentle Rain-Käufer woanders nachlesen. Das Heft erhebt nicht den Anspruch, jeden Regen in der Seele der Stadt zu hinterfragen. Es schaut nicht auf jene grauen Orte, die auch zu Hamburg gehören, aber weit weg sind von den Villen Harvestehudes oder den hippen Ecken des Schanzenviertels. Es geht um die "Gründe, Hamburg zu lieben". Warum auch nicht? Wer die tiefe, für Fremde manchmal irritierende Zuneigung der Hamburger zu ihrer Stadt verstehen will, sollte sich wirklich dafür interessieren.