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Nachruf:Zum Tod von Herbert Kremp

Herbert Kremp.

(Foto: Sven Simon/imago)

Der ehemalige Chefredakteur der "Welt", der einst das Ende der Bundesrepublik durch die SPD herbeibefürchtete, ist am Wochenende im Alter von 91 Jahren gestorben.

Von Willi Winkler

Herbert Kremp war ein Mann mit besten Verbindungen. Seinem Chef Axel Springer, dem er als Chefredakteur der Welt, als Korrespondent, Kommentator und Herausgeber diente, konnte er deshalb berichten, dass es im Amtszimmer des Nachwuchspolitikers Helmut Kohl wie bei Hermann Göring aussah ("Kohlhall"). Er brachte den Verleger, als es gegen die Entspannungsversuche der sozialliberalen Koalition ging, mit Franz Josef Strauß zusammen, und als Vertrauensmann mit der Nummer 56 221 durfte er sich als "tatsächlich informierter Beobachter" des BND fühlen. Gelegentlich wirkte sich die mangelnde soziale Distanz doch zum Nachteil aus: Als ein Richter aus der Revisionsinstanz dem "lieben Cartellbruder Kremp" vertrauliche Unterlagen aus einem Strafverfahren gegen den RAF-Verteidiger Otto Schily sandte, die "nach Ausgebrauch vernichtet" werden sollten, wäre 1977 der Stammheimer Prozess gegen Andreas Baader und Gudrun Ensslin beinahe geplatzt. Mit der Vorgabe "Wir sind nicht konservativ, wir sind rechts" wurde die Politik von Willy Brandt mit allen Mitteln bekämpft; der Springer-Biograf Michael Jürgs bezeichnete Kremp, der 1969 von der Rheinischen Post zur Welt gekommen war, daher als "Kampfschreiber". Kanzleramtsminister Horst Ehmke wurde eine Spionin als Frau angedichtet, wegen Brandt Rechercheure nach Skandinavien geschickt, die dort Abträgliches über sein Liebesleben aufspüren sollten. Kremp hatte über den Untergangstheoretiker Oswald Spengler promoviert, da lag für ihn nichts näher, als das Ende der Bundesrepublik durch die SPD herbeizubefürchten, was ihn wiederum mit dem Deutschlandmystiker Springer verband. Das Land stand für ihn am "Ufer des Rubikon", es hat das Unken aber ziemlich gut überstanden. Am Samstag ist Herbert Kremp 91-jährig gestorben.

© SZ vom 24.03.2020
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