MTV-Erfolgsserie "Jersey Shore" "Wie ein neuer Eingeborenenstamm"

Nancy Franklin, Fernsehkritikerin des intellektuellen Stadtmagazins The New Yorker, erklärt sich den Reiz der Sendung folgendermaßen: "'Jersey Shore' gibt uns das Gefühl, Anthropologen zu sein, die durch eine Baumlücke hindurch heimlich einen neuen Eingeborenenstamm beobachten."

Stammeskönigin im selbsternannten

Guido

-Reich: Nicole Polizzi alias

Snooki

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(Foto: Foto: MTV)

Empörte italo-amerikanische Interessengruppen sind gegen die Faszination des Fremdschämens machtlos. "Wir haben 'Die Sopranos' durchgestanden, bei denen wir alle Gangster und Rowdies waren, und nun werden wir als Clowns dargestellt", sagte der Vorsitzende der Unico-Interessengruppe Andre DiMino. Seine Organisation rief zum Boykott der Sendung auf, und tatsächlich sprang "Domino's Pizza" als Sponsor ab.

Im Alleingang MTV gerettet

Die Zuschauer aber blieben - und es wurden immer mehr: In der Zielgruppe von 12 bis 34 entwickelte sich die Sendung zum Marktführer, beim Finale Ende Januar sahen nach Angaben von MTV durchschnittlich 4,8 Millionen Amerikaner zu. Daraufhin stuften Börsenanalysten Aktien des MTV-Mutterkonzerns Viacom herauf, wie AP berichtete. Klatsch-Blogger und Snooki-Fan Perez Hilton jubilierte, die Truppe vom "Jersey Shore" habe im Alleingang MTV gerettet.

Während US-Dermatologen einen Nachahmeffekt unter Jugendlichen befürchten und vor den Gefahren des Solariumbräunens warnen, hat MTV für den US-Markt bereits eine zweite Staffel angekündigt. In Deutschland werden Snooki und ihre Entourage vom 23. März zu sehen sein, wie eine Sprecherin vom MTV Deutschland sueddeutsche.de auf Anfrage mitteilte. Die Sonnenstudios der Republik können schon mal aufrüsten.