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Magazin aus Wien:Öl für die Welt

Eva Weissenberger

Eva Weissenberger, 42, hat viele alte Kräfte gefeuert.

(Foto: Ian Ehm)

Eva Weissenberger soll dem österreichischen Journal "News" wieder zu Bedeutung verhelfen.

Von Cathrin Kahlweit

Das letzte Cover von "Österreichs größtem Nachrichtenmagazin", so die Eigenwerbung, schmückte eine goldgelb gefüllte Parfumflasche von Chanel. Allerdings lautete der Aufkleber nicht "N°5", sondern: "Olivenöl extra vergine. Letzte Pressung". Die dazugehörige Schlagzeile, "Ölkrise", war ein Spiel mit Assoziationen, denn es ging in News um eine rätselhafte Olivenbaumkrankheit und den drohenden Verlust der Ernte in ganz Europa. Ein typisches Cover, ein typisches Thema war das nicht für ein Blatt, das früher mal wichtig war im Nachbarland, aber zuletzt vor allem laut, bunt, machomäßig auftrat und eher im gehobenen Boulevard als bei den harten Fakten angesiedelt war.

Andererseits: Was ist eigentlich noch typisch für Journale, die vom Leser nach wie vor als "Nachrichtenmagazin" wahrgenommen werden wollen, aber zur Auflagensteigerung mindestens ebenso oft wie eine Koalitionskrise auch Rückenleiden, Sexualpraktiken oder Arzttipps auf dem Titel zeigen? Selbst der Spiegel lotet ja zunehmend die Erfolgsquote der weichen Form aus.

Die neue Chefin von News, die 42-jährige Eva Weissenberger, stellt nur noch ungern Vergleiche mit anderen, zumal deutschen Magazinen an. Nach ihrer Kür vor einigen Wochen hatte sie flott gesagt, wenn die Zeit sich zur Brigitte entwickeln könne, dann könne News das auch. Das verursachte einigen Wirbel. Heute darauf angesprochen, will sie das nicht als Kritik an den erfolgreichen Blattmachern vom Hamburger Speersort verstanden wissen; sie wolle ja gerade in diese Richtung, sagt sie. Aber viele Leser der Zeit behaupteten bis heute, sie kauften das Blatt nur wegen der hervorragenden Berichte über die Ukraine oder den Südsudan - und läsen dann doch auch ganz gern Geschichten über Partnersuche oder Fahrradtests.

Die neue Chefin kommt aus der Politik, jetzt will sie auch das Promigenre lernen

Daher denkt Weissenberger über eine kleine, aber demonstrative Änderung nach. Sie bezieht sich auf das Cover von News, das mehrheitlich Gruner + Jahr gehört, an dem aber mittelbar auch der Raiffeisenkonzern und die zwei Verleger-Brüder Wolfgang und Helmuth Fellner beteiligt sind. Genauer gesagt bezieht sie sich auf eingangs erwähnten Slogan: "Österreichs größtes Nachrichtenmagazin". Vielleicht, denkt die neue Chefin laut, sollte man das ersatzlos streichen? Ohnehin seien die Nachrichtenmagazine von heute doch die Smartphones.

Der sehr ästhetische Parfüm-Speiseöl-Krisen-Aufmacher könnte auch von einer anderen Führungsstruktur herrühren. Die Chefredakteurin, die seit Februar im Amt ist, durfte mit Erlaubnis des Chefs der Verlagsgruppe News, Horst Pirker, viele alte Kräfte feuern und neue anheuern. Weissenberger, die zuvor bei der Presse, beim Falter und beim ORF war und zuletzt die Kärntner Ausgabe der Kleinen Zeitung verantwortete, sagt, sie habe nicht bewusst stärker auf Frauen gesetzt - sondern auf Menschen, denen sie vertraut. Zufällig waren viele Frauen darunter. Die neue Politikchefin, die Wirtschaftschefin, die Geschäftsführerin, die Marketingchefin und die Frau an der Schnittstelle zwischen Anzeigen und Redaktion - wie schon die Wortendungen zeigen: alle Frauen.

Sie hat von der Konkurrenz aber durchaus auch Männer abgeworben, und die neue Truppe soll nun dem zuletzt schwer abgehalfterten Magazin mit großer Vergangenheit eine "neue Glaubwürdigkeit" verleihen. Nach seiner Gründung vor mehr als zwanzig Jahren durch die gefürchteten Brüder Fellner, die neben der Dichand-Familie Österreichs Boulevardmedien beherrschen, hatte das Blatt zeitweilig einen Nimbus als investigatives Journal. Aber wachsende Konkurrenz auch innerhalb der "News-Gruppe" durch Magazine wie Trend, Profil und Format, dazu manipulierte Auflagenzahlen, viele Chefwechsel, als Scoops verkaufte alte Hüte und zuletzt der Tod des hoch angesehenen Chefreporters und Aufdeckers Kurt Kuch schickten das Magazin Richtung Bedeutungslosigkeit.

Als Weissenberger von Verlagsgruppenchef Pirker das Angebot bekam, die Leitung zu übernehmen, rieten ihr die meisten Freunde und Kollegen ab. Das sei ein Himmelfahrtskommando, sagten sie, das ramponierte Image des Magazins sei nicht zu retten. Sie sagte trotzdem zu; schließlich sei der Wechsel vor einigen Jahren - von Wien nach Klagenfurt, zu einer Regionalzeitung und "in ein fremdes Land" - das größere Risiko gewesen. Und das habe auch geklappt.

Die Ausgabe vom 25. April soll die erste sein, die ganz so aussieht, wie sie sich das vorstellt. Ein bisschen üben müsse sie auch noch, sagt sie und grinst. Für das aktuelle Heft hat sie ein Porträt der Fernsehmoderatorin Barbara Schöneberger geschrieben, weil sie sich als Politik-Süchtige auch ins People- und Promigenre einarbeiten will. Eine halbe Stunde, aber ohne Shooting, habe die Agentur ihr zugesagt. Also kam die News-Chefin gleich ganz ohne Fotografen. Was die Agentur eigentlich gemeint hatte, dass die Zeit für das Shooting noch dazukommt, erfuhr sie dann. Das Foto wurde später zugekauft. Manche Fehler kann man zum Glück leicht ausbessern.

© SZ vom 22.04.2015
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