Letzte Sendung Immer beschwingt

Er war mehr als ein Schlagersänger – Bill Ramsey hört als Moderator auf.

(Foto: Andreas Arnold/dpa)

Bill Ramsey wurde als Schlagerstar berühmt - sein erster Hit war der "Wumba Tumba Schokoladeneisverkäufer". Im Herzen aber ist er ein Jazzer geblieben: Nun moderiert er das letzte Mal die "Swingtime" im Hessischen Rundfunk.

Von Hans Hoff

Keep Swinging! Es ist eine klare Anweisung, die Bill Ramsey über 30 Jahre lang am Schluss jeder seiner Radioshows gegeben hat. Keep Swinging! In der Swingtime bei HR2 Kultur. Die Swingtime swingt nun aus, denn an diesem Freitag wird der 87-Jährige zum letzten Mal als Moderator zu hören sein. Dann gibt er den Job am Mikrofon ab. "Aus Altersgründen" heißt es aus dem Sender, wo man zudem beschlossen hat, den Anlass zu nutzen, um die "Swingtime" nach über 60-jähriger Geschichte auslaufen zu lassen.

"Bye Bye auch von mir, Bill Ramsey. Und mein guter Rat für alle Lebenslagen: Verliert auch in tollen Tagen seine Frohlichkeit nicht. Keep Swinging!" So lauten die offiziellen letzten Worte, die an diesem Freitagabend am Schluss der letzten Sendung on air gehen, die Ramsey aber schon vor einiger Zeit einsprach. Zu einer Zeit, als noch niemand wusste, dass es die letzten sein würden.

Grammatikalisch eigenwillig wie gewohnt kommt diese Abmoderation daher, und natürlich ist der Umlaut in "Fröhlichkeit" immer noch nur als Andeutung zu vernehmen. So wie man es kennt von einem, der zwar schon ewig in Deutschland lebt und seit 1984 auch einen deutschen Pass besitzt, dessen american accent aber immer auch so etwas wie sein Markenzeichen geblieben ist und darauf verweist, dass er in Cincinnati/Ohio geboren wurde.

Unverwechselbar ist es jener Ramsey, der in den 50er Jahren beim Soldatensender AFN in Frankfurt als Produktionschef Dienst tat, der aber nebenbei auch im örtlichen Jazzklub Swing sang und bald danach vor der Frage stand, ob er gerne mal eine Platte machen wolle. Entweder mit Rock'n'Roll oder mit was Lustigem. Ramsey entschied sich gegen den Rock'n'Roll. Mit lustigen Schlagern wurde er dann bundesweit berühmt. Sein erster Hit hieß "Wumba Tumba Schokoladeneisverkäufer". Es folgten Kracher wie "Souvenirs", "Zuckerpuppe (aus der Bauchtanztruppe)" und "Pigalle (die große Mausefalle)". Schnell war er bekannt als der lustige Amerikaner mit dem pfundigen Auftreten. Er war oft im Fernsehen zu sehen und spielte in zahlreichen Kinofilmen mit.

Gutes Geld hat er damals verdient, aber seine wirkliche Passion blieb immer der Jazz. Schon Mitte der 60er Jahre schmuggelte er Jazzstandards in die Reihe seiner deutschen Hitveröffentlichungen. Mit Paul Kuhn etwa nahm er 1965 eine Platte auf, auf der die beiden amerikanische Folksongs und Jazz-Standards interpretierten. Ramsey machte so deutlich, wo seine wahre Leidenschaftsglocke läutet.

Irgendwann wurden dann die lustigen Schlager weniger, und der Swing nahm wieder den Platz ein, den er schon vorher in Ramseys Herzen innegehabt hatte. Deshalb mochte er auch nie die Frage, wie er denn vom Schlager zum Jazz gekommen sei. Weil der Schlager eben nur ein Intermezzo war im Leben eines Swing-Enthusiasten. Ruft man Bill Ramsey dieser Tage in seinem Haus in Hamburg an, dann hört man einen Mann, der sich aufgeräumt gibt, der aber darunter zu leiden scheint, dass sein Körper nicht mehr alles zulässt. "Ja, ich würde furchtbar gerne", sagt er, wenn man ihn fragt, ob er nochmal auftreten werde. Aber dann schiebt er rasch nach, dass das sehr, sehr unwahrscheinlich sei. Sein letzter Auftritt fand im vergangenen Jahr im Juli statt.

Die Entscheidung, auch die Swingtime dranzugeben, kam dann für alle sehr überraschend. Da hatte er die Aufnahmen für die Sendung, die nun die letzte sein wird, schon im Kasten. Auf einmal wollte die Gesundheit nicht mehr mitmachen. "Der Druck war zu hoch", sagt er und erzählt, dass er nach den letzten Aufnahmen eine Woche darniedergelegen habe.

Dass der Hessische Rundfunk nun seinen Abschied zum Anlass nimmt, die Traditionssendung Swingtime in ihrer bisherigen Form ganz einzustellen, schmerzt ihn sehr. "Man hätte die Sendung durchaus weiterführen können", sagt er. Einen würdigen Nachfolger hätte man bestimmt gefunden. Aber nun herrschten in den Sendern eben jene, die alles durchhörbar machen wollen und denen eine kleine Genreshow eher ein Dorn im Auge als eine Bereicherung in Ohr und Hirn ist.

Mit dem großen Missverständnis, dass ihn in Deutschland immer noch mehr Menschen als lustigen Schlager-Onkel und nicht als leidenschaftlichen Swing-Sänger kennen, hat er inzwischen allerdings seinen Frieden gemacht. "Das waren tolle Titel. Alle sehr lustig", sagt er. Und manche sogar ein bisschen zeitlos. So könnte man seinen Hit "Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett" dieser Tage durchaus als Kommentar auf die Krimi-Schwemme im Fernsehen gebrauchen. Ein paar kleine Textänderungen, und schon wäre der Schlager up to date und sicherlich besser als manches, was da sonst so tönt.

Aber das wird nun wohl nichts mehr. Die Stimme des großen Bill Ramsey verstummt an diesem Freitag für die Öffentlichkeit. Und auch Zuhause mag er nicht mehr singen, sagt er. Da bleibt nur, in seinem Sinne dem von ihm ausgegebenen Imperativ zu folgen: Keep Swinging!

Swingtime, HR2 Kultur, 22.30 Uhr