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Legendenbildung:Wer hat's erfunden?

Der Satz "Follow the money" ist ein Journalisten-Mythos, seit ihn Tippgeber "Deep Throat" im Film als Rat an die Reporter Bob Woodward und Carl Bernstein richtet. Aber fiel der Satz wirklich bei den Watergate-Recherchen? Eine Klarstellung, aus gegebenem Anlass.

Von Willi Winkler

Am vergangenen Freitag ist mit 87 Jahren William Goldman gestorben, eine sogenannte Legende und zeitweilig der gefragteste und teuerste Autor in Hollywood, das er abgrundtief hasste. Seine Diagnose in einem Satz: "Keiner weiß Bescheid." Goldman kannte sich aus im Geschäft, er hatte die Drehbücher für Butch Cassidy und Sundance Kid und Marathon-Mann geschrieben, er hatte auch zwei Oscars gewonnen, einen davon für die Unbestechlichen von 1974, den er noch mehr hasste, weil ihm der Produzent Robert Redford ständig dreinredete.

Diese Unbestechlichen waren die realen Washington-Post-Reporter Bob Woodward und Carl Bernstein, die im Film und in Wirklichkeit gegen die Bedenken ihres Chefredakteurs die Watergate-Affäre aufklärten. Ihre Quelle trugt den schönen Decknamen "Deep Throat" und sie hilft ihnen im Film mit dem Rat "Follow the money" - geht der Spur des Geldes nach. Gemeint war der Weg, den das Geld nahm, bis es als Honorar bei den Gangstern ankam, die 1972 ins Wahlkampfhauptquartier der Demokraten im Watergate Hotel einbrachen. Die Spur führte am Ende zurück ins Weiße Haus und zu Richard Nixon, der in der Folge zurücktreten musste. Bis heute gilt das als einer der größten journalistischen Triumphe und der Tipp "follow the money" als Leitlinie für alle politischen Recherchen, gleich ob in Panama oder bei der AfD. Dabei stammt der Satz weder von Bob Woodward noch von Carl Bernstein, und auch der tiefe Schlund hat ihn nie gesagt, sondern der Autor William Goldman hat ihn erfunden und ins Drehbuch geschmuggelt. Selbst Carl Bernstein gebraucht den Ausdruck inzwischen, als wäre er seiner oder der Woodwards. So hat Hollywood am Ende doch gesiegt: Wenn die Legende zum Faktum wird, heißt es in einem noch berühmteren Film, dann drucken wir die Legende.

© SZ vom 19.11.2018
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