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Krimireihe:Der Täter als Mensch

Kommissar Maigret: Die Falle

Schau mir in die Augen, Kleiner: Kommissar Maigret (Rowan Atkinson, Mitte) wäre zuzutrauen, dass er auch Babys zum Sprechen bringt.

(Foto: ARD Degeto/Peket CoProduction)

Keine Spur von "Mr. Bean": Rowan Atkinson spielt Simenons "Kommissar Maigret" als Profiler, der das Leben der Opfer rekonstruiert und sich in die Mörder hineinversetzt.

Kaum ein Tatort-Kommissar kommt heute ohne private Probleme aus. Auch in Kommissar Jules Maigrets Leben gibt es so ein düsteres Kapitel. "Unser Baby wäre jetzt 24", sagt er zu seiner Frau. "Ich denke im Moment jeden Tag an sie." Ihre Tochter ist kurz nach der Geburt gestorben. Heute wäre sie eine junge Frau und potenzielles Opfer des Mörders, der in der ersten Folge von Kommissar Maigret, "Die Falle", im Pariser Künstlerviertel Montmartre in sechs Monaten fünf Frauen erstochen hat.

Der belgische Schriftsteller Georges Simenon hat sich Kommissar Maigret 1929 als Groschenromanfigur ausgedacht. 40 Jahre lang und in mehr als hundert Romanen und Erzählungen hat er die Figur entwickelt. Seit der ersten Verfilmung 1932 hat der Kommissar mit Melone auf dem Kopf und Pfeife im Mundwinkel Filmemacher fasziniert. An die 30 Schauspieler haben ihn gespielt, in französischen, britischen, italienischen, holländischen und sogar japanischen Produktionen. Für die neueste Adaption haben unter anderem ITV und die BBC zusammengearbeitet.

Trotz seines Verlusts ist Maigret, verkörpert von Rowan Atkinson ( Mr. Bean), kein gebrochener Mann. Über seine Tochter erfährt man zumindest in den ersten beiden Episoden nicht mehr. Stattdessen wird deutlich, wie die Ermittlungen Maigret zermürben. "Morde in Montmartre - was tut die Polizei?", "Fall weiter ungelöst", "Maigret schweigt", titeln die Tageszeitungen. Sobald er sich umdreht, spotten die Kollegen über ihn. Maigret bemerkt das alles. Es arbeitet in ihm. Trotzdem bleibt er bei seiner Methode und bei seiner grüblerischen Behäbigkeit, die das Tempo der Serie vorgibt. Maigret versucht zu verstehen, was den Täter an den Frauen anzieht. Warum er sie tötet, aber nicht ausraubt oder vergewaltigt. Warum die Opfer nur die braunen Haare, aber sonst keine Gemeinsamkeiten haben. Das dauert eben.

Auch im Paris der Fünfzigerjahre, in dem die Handlung angesiedelt ist, muss man unweigerlich an Sherlock Holmes denken, wenn ein Kommissar Pfeife raucht. Außer dem Tabak und dem britischen Charme von Rowan Atkinson haben der Franzose Maigret und Holmes aber nicht viel gemeinsam. Holmes zieht aus seinen Beobachtungen Schlussfolgerungen, Maigret ist ein Profiler. Er rekonstruiert die Leben der Opfer und versucht, sich in die Täter hineinzuversetzen. Seine Verhöre ähneln Therapiesitzungen. Er knackt keine Fälle, sondern Menschen. Auch die Romane von Simenon waren immer mehr als ein klassisches Whodunit, deshalb reizten seine Stoffe auch schon so viele Filmemacher. Die Serie sticht aus den vielen Ermittler-zentrierten Krimis dieser Tage heraus. Bei Maigret baut allein der Fall die Spannung auf. Ein kaputter Kommissar fehlt der Geschichte nicht. Atkinson spielt Maigret wohltuend reduziert und lässt Platz für die Täter, die er überführt, aber nicht verurteilt. Am Ende löst er nicht nur die Fälle, sondern kommt auch einem Familiendrama auf die Spur.

Kommissar Maigret, ARD, 1.1. und 8.1., 21.45 Uhr.