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Hörspiel:Die Verschwörung

In Frank Spilkers Hörspiel "Gattung, Art und Unordnung" wird die Menschheit auf eine harte Probe gestellt - unter anderem von Regenwürmern.

Von Stefan Fischer

Die Kränkung, die einhergeht mit der Erkenntnis, dass die Erde nicht der Mittelpunkt des Universums ist, ja, dass nicht einmal die Sonne um die Erde kreist, sondern umgekehrt die Erde um die Sonne - diese Kränkung hat die Menschheit über die Jahrhunderte einigermaßen verwunden. Aber was absolut außerhalb ihres Vorstellungsvermögens liegt, ist der beleidigende Gedanke, dass ihre Herrschaft über diesen Planeten infrage stehen könnte.

Entsprechend ignorant und arrogant reagiert sie, wenn die Sache einmal ernst zu werden droht. Das Science-Fiction-Kino spielt solche Szenarien gerne durch als einen actionreichen Konflikt zwischen Menschen und humanoiden Robotern. Der Autor Frank Spilker wählt für sein vierteiliges Hörspiel Gattung, Art und Unordnung, das er gemeinsam mit Freya Hattenberger inszeniert hat, eine näherliegende - und dadurch zugleich überdrehtere - Variante: Er bringt das gesamte Tierreich gegen die Menschen auf.

Im Niedriglohnsektor arbeiten jetzt Tiere

Auch diese Geschichte spielt in einer unbestimmten Zukunft, die Evolution hat einige Gattungen mittlerweile befähigt, den Menschen zu Diensten zu sein. Nicht wie bisher nur als Fleischlieferanten, Nutz- und Kuscheltiere, sondern für Arbeiten im Niedriglohnsektor. Die Kommunikation zwischen Mensch und Tier hat allerdings noch kein höheres Niveau erreicht. Aber dies ist einer der Punkte, an denen die ersten Menschen Zweifel hegen an der Überlegenheit ihrer Rasse: Wer sagt denn, dass die Tiere nicht sprechen können? Vielleicht tun sie es einfach nur nicht - je rätselhafter sie für die Menschen bleiben, desto unbehelligter können sie ihre Ziele verfolgen.

Als Wölfe einen Kinderspielplatz verwüsten, erkennt die aufgebrachte Bevölkerung fälschlicherweise niedere Motive. Wenn die Menschen wüssten, zu was sogar Regenwürmer in der Lage sind ... Auch die Polizistin Şahin sowie Schmidt, ein Fachmann für migrantische Tiere, machen sich anfangs kaum eine Vorstellung. Barbara Philipp und Manfred Zapatka spielen dieses belächelte Paar, das undercover recherchieren muss, zu verrückt erscheint dessen These: dass es eine tierische Verschwörung gibt und mafiöse Strukturen, in die Menschen genauso involviert sind wie Bären und Ratten, Wölfe und Würmer.

Die alte Hierarchie gibt es nicht mehr

Frank Spilker löst Gattung, Art und Unordnung nicht gefällig auf, der Titel des Hörspiels deutet es vielmehr bereits an: Er führt die Geschichte ins Chaos, das man als Hörer allerdings jederzeit immer noch überblicken kann. Dem mag die Spekulation auf eine Fortsetzung eingeschrieben sein, aber da ist eben auch die klare Weigerung, die alte Ordnung wieder herzustellen. Weil sie womöglich schon immer nur eine Illusion war.

Gattung, Art und Unordnung, WDR 3, Montag bis Donnerstag, jeweils 19.04 Uhr.

© SZ
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