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Hörspiel:Ganz allein

Einsam sterben, von Amts wegen bestattet werden: Das trifft immer mehr Menschen. Das Hörspiel "Einsam stirbt öfter" erzählt mit großem Schauspieler-Ensemble von solchen Einzelschicksalen - und von der Würde.

Von Stefan Fischer

Angefangen hat alles als Recherche für ein Feature. Das hat Gesche Piening dann auch produziert, es ist unter dem Titel Der Tod unterscheidet nicht. Wir schon im November auf Bayern 2 gesendet worden und steht nach wie vor als Download in der ARD-Audiothek zur Verfügung. Doch mit ihrem Thema war die Autorin damit noch nicht durch: Die Zahl der Menschen, die von Amts wegen bestattet werden, weil sich keine Angehörigen oder anderweitigen Bezugspersonen der Verstorbenen finden, nimmt immer weiter zu, vor allem in Großstädten.

Und so hat Gesche Piening ihr Material noch einmal neu bearbeitet zu einem dokufiktionalen Hörspiel: Einsam stirbt öfter. Ein Requiem, das sie selbst auch inszeniert hat mit einem großen Schauspieler-Ensemble, darunter Katja Bürkle, Stephan Bissmeier, Peter Fricke, Ercan Karacayli, Sylvana Krappatsch, Johannes Silberschneider, Georgia Stahl, Xenia Tilling und Stephan Zinner.

Sie bleibt auch im Hörspiel nah dran an konkreten Einzelschicksalen, die sie diesmal jedoch zu exemplarischen Beispielen erhebt. "Ein Requiem" heißt das Stück im Untertitel, es ist ein Klagegesang, der teilweise die Wucht einer antiken Tragödie entwickelt. Gesche Piening schafft für jede der vielen Szenen einen eigenen Klangraum; naturalistisch ist keiner davon. Es sind übergroße Räume, in denen sich intime, weil letzte Dinge abspielen. Doch sie sollen ganz bewusst eine große Bühne bekommen. Kein Mensch darf einfach so verschwinden, ohne dass andere es bemerken. Nicht in diesem Hörspiel zumindest.

Einsam stirbt öfter klagt jedoch nicht in erster Linie an, das hat Gesche Piening bereits in ihrem Feature erledigt. Das Hörspiel handelt zuvorderst von Würde. Und von der Frage, wie ein Leben aussehen muss, damit es nicht so trist endet wie in all den Fällen, von denen Piening hier erzählt.

Einsam stirbt öfter. Ein Requiem. Bayern 2, 21.05 Uhr.

© SZ vom 12.06.2020
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