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Hörspiel:Familienduell

Starke Stimmen: Die Neuinterpretation von William Faulkners Roman "Als ich im Sterben lag" ist ein Schauspieler-Fest mit Sibylle Canonica, Ulrich Matthes, Tom Schilling, Martin Brambach und Sophie Rois in einer Paraderolle.

Oh nein, Addie Bundren ist nicht verstummt, bloß weil sie tot ist. Lauthals meldet sie sich zu Wort, heiser und doch bestimmt - eine Paraderolle für Sophie Rois. Ohnehin ist Walter Adlers Hörspieldreiteiler nach William Faulkners Roman Als ich im Sterben lag ein Schauspieler-Fest: Tom Schilling, Ulrich Matthes, Sibylle Canonica, Martin Brambach und viele mehr suhlen sich im Dreck von Mississippi, um als Angehörige Bundrens Leichnam zu überführen - und unfreiwillig auch ihre Familie in einen neuen Aggregatzustand.

Menschen verletzen sich schwer und Tiere sterben während dieser Tortur durch unwegsames Gelände, überdies geht der Sarg um ein Haar verloren - rasch liegen also Nerven blank. Und irgendwann sind Dinge gesagt, die schon längst einmal ausgesprochen gehört hätten oder aber für alle Ewigkeit verschwiegen. Ventile öffnen sich, die Hierarchie in der vielköpfigen Familie ordnet sich neu.

Faulkner erzählt diesen Reigen aus vielen Perspektiven. Eine Stimme gehört in Adlers Inszenierung der Natur und der Technik, den Geräuschen des Wassers und der Tiere also, der Fuhrwerke und Werkstätten. Dieser Sound formiert sich zu einem höhnischen Kommentar der kleingeistigen Mühen der Menschen. Für die es um ihre Selbstbehauptung geht, um Lebensentwürfe, um Würde. Die Stärke der Geschichte - auch in der Neuinterpretation: Sie erhebt sich nicht über ihre Figuren, sondern steigt zu ihnen in den Sumpf hinab und begegnet ihnen mit Neugier und auch Sympathie. Hört man Raubvögel kreischen und Getier keckern, schlägt man sich eher auf die Seite dieser Bedrohten und Verlachten. Und will sie doch vor Addie Bundrens Zorn nicht in Schutz nehmen.

Als ich im Sterben lag , SWR 2, Teil 1 am Sonntag, Teil 2 am 1. Mai, Teil 3 am 5. Mai, je 18.20 Uhr.