Hörfunktipps Tod und Teufel

Bühne frei für Selbstzerstörer, für mutige Kämpfer in eigener Sache und vor allem für lässige Intellektuelle: Das Radio zeigt ein gutes Gespür für Typen.

Von Stefan Fischer

Kluger Quatsch

Kurt Schwitters hat extrem lautmalerische Texte geschrieben, etwa die Ursonate und An Anna Blume, zudem war er der neuen Musik zugetan. Die Klangkunstsendung Schwitters-Sound versammelt Wortkompositionen, die sich - indirekt - auf ihn beziehen (HR 2, Samstag, 23 Uhr). In Schwitters' Nachfolge kann man auch Dieter Roth sehen, der sich selbst als "Allesnichtkönner" bezeichnet hat: Quatsch est min Castello porträtiert ihn und sein Werk (WDR 3, Samstag, 12.04 Uhr). Lieder aus der Finsternis hat Merzouga arrangiert: In darkness let me dwell basiert auf Aufnahmen von Unterwassermikrofonen, die das Alfred-Wegener-Institut in der Antarktis, im Weddellmeer, platziert hat (DLF, Samstag, 20.05 Uhr).

Verdammte Orte

Jeder Ort bestimmt, über was und wie dort gesprochen wird: Das ist die Ausgangssituation in Marlene Streeruwitz' Hörspiel Zimmerstunde, in dem gegen diese Domestizierung aufbegehrt wird (SWR 2, Donnerstag, 22.03 Uhr). Um Geschichten, die eng mit den Orten verknüpft sind, an denen sie sich zugetragen haben, und deren Erzählen Befreiungsversuche von seelischer Pein sind, geht es auch in David Zane Mairowitz Mono (WDR 3, Samstag, 19.04 Uhr) und Guido Gin Kosters Eingreifen, bevor die Nacht kommt (SWR 2, Sonntag, 18.20 Uhr).

Tod und Teufel

In einen selbstzerstörerischen Strudel geraten sowohl die Liebenden in George Sands Vierteiler Sie & Er (WDR 3, Montag bis Donnerstag, 19.04 Uhr) als auch Der Todeskandidat von Max Herrmann-Neiße (Bayern 2, Samstag, 15.05 Uhr) und das neugierige Fräulein Lust in Paul Valérys Gespräch mit dem Teufel (DLF, Dienstag, 20.10 Uhr). Einen Blick in Abgründe offenbart auch Klaus Walter in seiner Zündfunk Generator-Sendung The Kids are Alt Right? über die medialen Pop-Strategien der Neuen Rechten (Bayern 2, Sonntag, 22.05 Uhr).