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Hörfunktipps:Remainder

Technologie, die vom Himmel fällt, eine Musikreportage aus München, der Monolog einer prostituierten Frau und ein dokumentarisches Hörspiel über das Grundgesetz.

Remainder

Da bekommt ein junger Mann achteinhalb Millionen Pfund, hat materiell also ausgesorgt - das wird jedoch das größte Unglück seines Lebens. Denn das Geld gibt es als Honorierung für sein Stillschweigen über einen Unfall: Der merkwürdige Held stand ungünstig, als Technologie vom Himmel gefallen ist. Körperlich kommt er glimpflich davon, doch er büßt jeglichen Bezug zur materiellen Welt ein - auch den zu Geld. Er verwendet es für das wahnwitziges Projekt, die entglittene Realität zu rekonstruieren, auch mit Hilfe von Schauspielern. Eine Realität, die nun komplett in seinen Händen liegt, die er anhalten, wiederholen und manipulieren kann. Die Regisseurin Hannah Georgi hat Tom McCarthys aufsehenerregendes 300-seitiges Romandebüt zu einem eineinhalbstündigen Hörspiel verdichtet, mit Jan Krauter in der Hauptrolle.

Hörspiel, NDR Info, Sonntag, 21 Uhr

Guter Rat

Das Grundgesetz war als Provisorium gedacht, das macht die dokumentarische Hörspiel-Serie nochmals deutlich. Die acht halbstündigen Folgen, die von Mittwoch an täglich zur gleichen Zeit ausgestrahlt werden, zeichnen wesentliche Debatten um die deutsche Verfassung nach, die nicht Verfassung heißen sollte, weil sie nicht für alle Deutschen gelten würde. Das Grundgesetz stand nach seiner Annahme jedoch nie mehr ernsthaft zur Debatte, auch nicht bei der Wiedervereinigung. Das hängt mit seiner Qualität zusammen. Jedoch hätten viele der Artikel durchaus anders ausfallen können. Um die Inhalte wurde hart gerungen. Das machen Philip Steegers und Benjamin Quabeck anschaulich. Die Schriftsteller Frank Witzel, Terézia Mora, Georg M. Oswald und Özlem Dündar verknüpfen aktuelle Debatten mit den Werten des Grundgesetzes.

Dokumentar-Serie, MDR Kultur, Mittwoch, 19.05 Uhr

In Stanniolpapier

Ein furioser Monolog, der auch deshalb so stark ist, weil Josefine Platt nicht den Vortrag zelebriert, sondern sich in der Regie von Luise Vogt so weit wie möglich zurücknimmt. Was diese Maria erzählt, ist wichtig, und muss also nicht erst wichtig gemacht werden durch einen exaltierten Tonfall. Wir hören einer Frau zu, die es irgendwo tatsächlich gibt und deren Geschichte Björn SC Deigner fiktionalisiert hat, um zu ihrem realen Kern vorstoßen zu können. Diese Maria arbeitet als Prostituierte, sie ist ihr Lebtag lang ein Opfer vor allem der Männer, nimmt diese Rolle jedoch nicht an. Sie spricht von Demütigungen und Schmerzen, von Sehnsüchten und tiefer Verzweiflung. Schonungslos, vor allem sich selbst gegenüber. Sie bemitleidet sich nicht, begegnet allen Widrigkeiten mit einem pragmatischen Optimismus - und weiß, was sie an sich hat.

Hörspiel, SWR 2, Sonntag, 18.20 Uhr

Zündfunk - 25 Jahre ...

... Compost Records: Wer wie der Musikjournalist Ralf Summer eine Stadtrundfahrt durch München unternimmt mit Michael Reinboth, der bekommt zwar auch einiges zu sehen, vor allem aber jede Menge zu hören. Geschichten, klar, aber auch sehr viel Musik. Reinboth ist DJ und betreibt seit einem Vierteljahrhundert das Label Compost Records mit einer Vielzahl von Unterlabels für spezielle Genres. Wichtig sind Soul, Funk und Future Jazz, Reinboth veröffentlicht aber auch Downbeat, Deep House und Brasil. Der Zusammenarbeit mit Musikern wie Marbert Rocel und Solomun ist es zu verdanken, dass das Label den Transfer geschafft hat vom CD- und Vinylvertrieb zum Streaming-Anbieter. Compost Records ist ohne die Partys nicht zu denken, am Ostbahnhof, in der "Registratur", neuerdings im "Bahnwärter Thiel".

Radio-Reportage, Bayern 2, Samstag, 19.05 Uhr