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Hörfunktipps:Morbide Komik

(Foto: Illustration: Christian Tönsmann)

Hitparadentaugliche Trauermusik, Staaten im Schönheitssalon und die nun aber wirklich wahre Geschichte des Mauerfalls: Das Radio gibt sich schelmisch, entwickelt Superhelden-Kräfte und verhilft seinen Hörern so zu Realitätsfluchten.

Von Stefan Fischer

Morbide Komik

Die Welt, mit dem festen Willen zur Komik betrachtet: Der sich langsam WIRKLICH etwas seltsam entwickelnde Kongress der Thanatologen (2013) ist ein morbides Vergnügen von Nis-Momme Stockmann und Les Trucs, inklusive bahnbrechender Neuerungen auf dem Feld der Trauermusik (NDR Kultur, Mittwoch, 20 Uhr). Eine Superhelden-Persiflage von Jörg Buttgereit: Captain Berlin und die wirklich wahre Geschichte vom Mauerfall (WDR 3, Sonntag, 19.04 Uhr). Ebenfalls mitunter komisch-kauzige, im Kern aber ernsthafte Auseinandersetzung mit der Wiedervereinigung ist der Hörspiel-Vierteiler Wir - Hier von Helgard Haug und Thilo Guschas (WDR 3, Montag bis Donnerstag, 19.04 Uhr).

Schlagende Argumente

Auch Länder haben ein Image. Marc Thörner berichtet über das sogenannte Nation Branding im Feature Wenn sich Staaten stylen (SWR 2, Mittwoch, 22.03 Uhr). Selbstbewusst begegnen Carina Pesch und Antje Vauh im Feature Loop in Serie der Generalkritik an öffentlich-rechtlichen Sendern. Untertitel: Ein Argumentationskarussell für Beitragszahler (SWR 2, Sonntag, 14.05 Uhr). Wie die polnische Regierungspartei PiS gegen die Opposition vorgeht, zeigt exemplarisch das Feature Eine Straßenbahn namens Danzig (DLF, Dienstag, 19.15 Uhr).

Existenzielle Fragen

Die Literatur ist die konventionellste Quelle des Hörspiels, was aber noch nichts besagt über die Qualität und Relevanz der Adaptionen. Bernadette Sonnenbichler hat Ingeborg Bachmanns Malina neu inszeniert als Zweiteiler (HR 2, sonntags, 22 Uhr). Eine Neuentdeckung - deutscherseits - ist die französische Autorin Annie Ernaux: Erinnerungen eines Mädchens (NDR Info, Sonntag, 21.05 Uhr). Dazu Klassiker: Die geliebten Stimmen von Jean Cocteau (SR 2, Sonntag, 17.04 Uhr), Der Ekel von Jean-Paul Sartre (DLF Kultur, Sonntag, 18.30 Uhr) und Transit von Anna Seghers (Bayern 2, Samstag, 15.05 Uhr).

© SZ vom 26.09.2020
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