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Hörfunktipps:Aufruhr

Im Radio gibt es aktuell viele Geschichten über Minderheiten und Außenseiter. Darunter sind erschütternde, ermutigende und außerdem ein paar sehr lustige. Weil auch Ausgegrenzte der Mehrheit eins auswischen können. Und die dann beleidigt ist.

Zeit der Stille

Ludwigs Ohren ist ein elektroakustisches Hörstück des Komponisten Wolfgang Liebhart über Beethovens Ertaubung (HR 2, Samstag, 23 Uhr). Um eine Leerstelle kreist auch Klaus Raabs Hörspiel Wie grob der Filz ist und wie warm: Im Zentrum stehen ein Toter - und seine Präsenz im Alltag der Lebenden (Bayern 2, Sonntag, 15.05 Uhr). Auch wenn der Titel des Hörspiels Die Toten haben zu tun von Mudar Alhaggi und Wael Kadour etwas anderes suggeriert: Taha und Mira sind am Leben - um das sie jedoch ringen müssen. Beide, der syrische Flüchtling und die hilfsbereite Deutsche, sind tief an der Seele verletzt (DLF, Samstag, 20.05 Uhr).

Zeit der Aufruhr

Tanja Sljivar schickt im Hörspiel All Adventurous Women Do sieben selbstbestimmte Mädchen auf Klassenfahrt, von der alle schwanger zurückkehren. Der Gesellschaft, die sie nun ausstößt, haben sie ohnehin nie angehört (WDR 3, Donnerstag, 19.04 Uhr). Den Wert der Gender-Vielfalt erläutert Sabine Rohlf in ihrem Nachtstudio-Essay Alles queer, alles gut? (Bayern 2, Dienstag, 20.05 Uhr). Andreas Weiser stellt im Hörspiel Voices of God der Spiritualität des Christen- und Judentums sowie des Islam den "autoritativen, frauenfeindlichen, machtpolitischen Charakter" der drei monotheistischen Weltreligionen entgegen (RBB Kultur, Freitag, 22.04 Uhr).

Zeit der Bedrohung

Agnes Steinbauer schildert im Feature Rechte Kulturstörung, wie Rechtspopulisten verstärkt Einfluss auf die Kulturpolitik suchen (DLF, Freitag, 20.05 Uhr). Die Holocaust-Zeitzeugen Georg Heller, Anna Helen, Henry Rotmensch und Salo Wolf erzählen Geschichten vom Überleben (RBB Kultur und MDR Kultur, Mittwoch, 22.04 Uhr). Das ARD-Radiofeature Der Wahrheit verpflichtet schildert den Machtverlust des Journalismus (u. a. SWR 2, Mittwoch, 22.03 Uhr).

© SZ vom 18.01.2020
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