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Gespräch mit Bavaria-Chef Achim Rohnke:"In unseren Hallen brummt's"

Die Fernsehbranche muss sich neu erfinden, meint Bavaria-Chef Achim Rohnke. Er verrät, mit welchen Strategien sein Haus durch die Krise kommt.

sueddeutsche. de: Bei den Münchner Medientagen geht es um die "Werte der Medien in der digitalen Welt". Wie wichtig ist das Thema Digitalisierung für die Bavaria Film?

Achim Rohnke, 2009

Geiselgasteig als internationaler Standort - das ist eines von Achim Rohkes Zielen.

(Foto: lok)

Rohnke: Es ist ein fortschreitender Prozess. Bei den langlaufenden täglichen Serien haben wir den Schritt zur bandlosen Produktion bereits vollzogen. In fünf bis sechs Jahren wird alles digital sein. Selbst der Kinofilm wird dann vorwiegend über Festplatten laufen.

sueddeutsche.de: Das heißt, die berühmten Filmrollen werden verschwinden?

Rohnke: Genau. Und der Filmriss gehört dann auch der Vergangenheit an.

sueddeutsche.de: Was bedeutet das für die Produktionsfirma Bavaria?

Rohnke: Natürlich ist das für einen Studio- und Technikdienstleistungsbetrieb, wie wir es sind, eine große Herausforderung. Im analogen Bereich hat sich ja über viele Jahre Technik bewährt, es wurde in etablierte Technik investiert - und abgeschrieben. Seit einigen Jahren steht die Branche vor einem gewaltigen Umbruch. Es wird vom herkömmlichen Format SD auf hochauflösende Bilder im HD-Format umgestellt - und im Kino und im Sport 3D-Produktionen realisiert. Das verlangt enorme finanzielle Kraft und technische Lösungen.

sueddeutsche.de: Was bedeutet das konkret?

Rohnke: Viele Dinge, die man früher leicht kaschieren konnte, werden beim hochauflösenden Fernsehen für den Zuschauer jetzt sichtbar. Genügte es früher beispielsweise, eine Naht mit Klebeband zu fixieren oder ein Loch einfach zuzuspachteln, wird heute eine präzisere Arbeitsweise verlangt, im Dekorationsbau genauso wie in der Ausstattung und bei der Beleuchtung. Das gleiche gilt fürs Make-up. Da muss auf einmal das letzte Fältchen unsichtbar gemacht werden. Das Fernsehen wird mit HD noch einmal neu erfunden - und es lohnt sich, wenn man die Ergebnisse auf dem Bildschirm sieht.

sueddeutsche.de: Das klingt vor allem nach Aufwand und Anstrengung.

Rohnke: Das ist es auch. Anderseits gibt es mit der Digitalisierung neue Chancen. Speziell in der Postproduktion kann man heute leichter einen bestimmten Look kreieren und Effekte einfügen. Man muss nicht alles anzünden, was im Film brennt. Nicht alles, was im Wasser ertrinkt, muss man tatsächlich untergehen lassen. Was bislang der aufwendigen Filmproduktion vorbehalten war, wird nun im Fernsehen Raum greifen.

sueddeutsche.de: Und die Konsequenzen sind?

Rohnke: Die digitale Technik ist integrierter, der Produktion zugewandter. Sie verlangt ein neues Denken von den Produktionsbeteiligten, weil Dramaturgie und Technologie in Einklang gebracht werden müssen.

sueddeutsche.de: Es entstehen also neue Berufe.

Rohnke: Es wird weniger handwerklich, dafür technischer. Die Film- und Fernsehproduktion geht mehr in Richtung Datenverarbeitung. Produktionsschritte, die bislang nacheinander geschaltet waren, verzahnen sich. Wir denken beispielsweise an eine zentrale Archivierung und Ausspielung. So können die Daten am Drehort auf dem Laptop angesehen werden. Dafür musste man früher in den Schneideraum gehen. Für das schnelle Fernsehen ist die digitale Welt natürlich wunderbar. Gerade bei täglichen Soaps und Telenovelas ist die Zeit zwischen Aufnahme und Ausstrahlung ja sehr knapp bemessen.

Telenovelas und Soaps

Schnulzen am Nachmittag