Fußballübertragungen Minister für Spiele

Österreichs Regierung will den Fußball zurück ins Free-TV holen. Den Hebel dafür bietet ein Gesetz, dass auch den Wiener Opernball im Fernsehen kostenlos für alle garantiert.

Von Peter Münch

Sportminister und Vizekanzler Strache redet mit Vertretern der Liga.

(Foto: Ronald Zak/AP)

Österreichs Regierung aus ÖVP und FPÖ hat dem Wahlvolk Brot und Spiele versprochen, und zu den Spielen zählt zuvorderst das Fußballspiel. Als misslich wird von vielen im Land empfunden, dass die Begegnungen der heimischen Bundesliga, so wie in Deutschland auch, seit dieser Saison live fast ausschließlich im Bezahlfernsehen zu sehen sind. Der Anbieter Sky hat sich die Rechte exklusiv gesichert. Die Politik aber ist angetreten, dies wieder zu ändern.

Am Donnerstag trafen sich dazu Vizekanzler und Sportminister Heinz-Christian Strache (FPÖ) sowie Medienminister Gernot Blümel (ÖVP) mit Vertretern der Bundesliga zu einem "Gedankenaustausch in vertraulichem Rahmen", wie Strache hinterher verkündete. Handhabe dafür, den Fußball wieder hinter der Bezahlschranke hervorzuholen ins kostenlose Programm, bietet der Regierung in Österreich das schon 2001 erlassene Fernsehexklusivrechte-Gesetz, kurz: Ferg. Dort ist geregelt, welche Ereignisse von solch "erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung" sind, dass sie mindestens 70 Prozent aller Zuschauer ohne zusätzliche Kosten zugänglich sein müssen.

Aufgelistet sind derzeit Olympische Sommer- und Winterspiele, aus dem Fußball die Welt- und Europameisterschaften sowie Spiele der austriakischen Nationalmannschaft, dazu die Ski-Weltmeisterschaften und aus dem Kulturbereich das Neujahrskonzert und der Opernball. Diese "Schutzliste" soll nun möglichst ergänzt werden um Partien der österreichischen Fußball-Bundesliga.

Die sollen dann allerdings nicht unbedingt wie früher in erster Linie zurück zum ORF. Eine "Schwarz-Weiß-Lösung wie in den Siebzigerjahren" könne es heute nicht mehr geben, meinte Blümel, der damit die Tür auch für die Privaten weit geöffnet hat. Allzu schnell dürften die Pläne aber ohnehin nicht umzusetzen sein. Der Vertrag, den die Bundesliga mit Sky geschlossen hat, läuft über vier Jahre. Dotiert ist er dem Vernehmen nach mit 34 Millionen Euro pro Saison.

Die Regierung hat deshalb erst einmal einen Gesprächsprozess angestoßen. Nach den TV-Vertretern im vorigen November waren nun die Abgesandten des Ballsports an der Reihe. Weitere Runden sollen folgen, ein genauer Zeitplan sei noch nicht absehbar, viele Details seien noch offen, erklärte Blümel. Doch die Größe ihrer Aufgabe ist der Regierung bewusst. Nach den Worten Straches geht es um "Österreichs Identität".