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Forschung:Quelle: Internet

Soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter haben starken Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung, vor allem von jungen Menschen. Wie stark genau, mit dieser Frage befassen sich zwei Studien, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurden.

Von Charlotte Haunhorst

Kurz nach seiner Wahl zum US-Präsidenten sagte Donald Trump in der CBS-Sendung 60 Minutes einen Satz, über den sich seitdem viele den Kopf zerbrechen: "Facebook, Twitter und Instagram haben mir geholfen, zu gewinnen." Die Diskussion, die daran anknüpfte: Stimmt das? Wie wichtig sind soziale Netzwerke für die Meinungsbildung? Zwei am Mittwoch in Berlin vorgestellte Studien beschäftigen sich mit diesen Fragen aus deutscher Perspektive. Das Institut Kantar TNS untersuchte, wie häufig sogenannte Intermediäre - also soziale Netzwerke wie Facebook, aber auch Videoportale und Suchmaschinen - in Deutschland genutzt werden. Eine zweite Studie des Hamburger Hans-Bredow-Instituts ging der Frage nach, wie diese Intermediären in die Meinungsbildung einfließen.

Die Ergebnisse beider Studien zeigen, dass die Informationssuche sich in die sozialen Netzwerke verlagert, auch wenn das Fernsehen weiterhin reichweitenstärkstes Medium bei den Deutschen über 14 ist. Der Umbruch ist vor allem bei jungen Erwachsenen zu spüren: Von den 14- bis 29-Jährigen, die täglich online sind, nutzen 45 Prozent soziale Netzwerke, um sich zu informieren. Bei den über 50-Jährigen sind es nur knapp 15 Prozent. Suchmaschinen werden ebenfalls von jedem zweiten jungen Erwachsenen täglich zur Information genutzt. Bei den über 50-Jährigen war es nur jeder Dritte.

Die Untersuchung des Hans-Bredow-Instituts ergab, dass die meisten Nutzer zwar wissen, dass sie in den sozialen Netzwerken nur extra für sie gefilterte Informationen sehen. Die Befragten erwiderten aber häufig, dass man sich im Netz ja aus mehreren Quellen informieren könne. Die persönliche Kommunikation habe für die Befragten aber immer noch einen höheren Stellenwert als digitale Kontakte.

Die Studien sind nicht nur für künftige Wahlkämpfe interessant. Auch aus regulatorischer Sicht werfen ihre Ergebnisse Fragen auf. So sagte Ralf Müller-Terpitz, Vorsitzender der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich: "Wir müssen uns überlegen, wie wir auch Intermediäre in die Bewertung von Medienkonzentrationsprozessen überführen können." Vor einer Dämonisierung des Netzes warnte er allerdings ausdrücklich: "Wir dürfen hier auch nicht überregulieren, sonst hemmt man von vornherein Innovation."

© SZ vom 01.12.2016
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