Fernsehen in den USA Und jetzt alle

Für sich genommen haben die knapp 200 regionalen, erzkonservativen TV-Sender des Sinclair-Konzerns nicht viel Bedeutung, aber gemeinsam sind sie stark. Jetzt werden sie für einen Promo-Spot kritisiert, den sie während der Nachrichten ausgestrahlt haben.

Von Karoline Meta Beisel

Die knapp 200 regionalen Fernsehsender des Sinclair-Konzerns haben jeder für sich kaum nationale Bedeutung, aber gemeinsam sind sie stark: Studien zufolge beziehen mehr als 30 Prozent der US-Amerikaner ihre politischen Nachrichten aus dem Regionalfernsehen. Der Chef des Konzerns, Chris Ripley, gilt als erzkonservativ; vor der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten sendeten die Sinclair-Sender wohlwollende Berichte in den am meisten umkämpften Bundesstaaten. Es halten sich außerdem Gerüchte, Ripley wolle einen landesweiten Nachrichtensender rechts von Fox News aufbauen.

Am Wochenende machte im Netz ein Video die Runde, das zeigt, wie Sinclair auch ohne nationalen Sender politische Botschaften im ganzen Land verbreitet: Die amerikanische Webseite Deadspin hatte Clips von Dutzenden Sinclair-Journalisten zusammengeschnitten, die in ihren jeweiligen Lokalsendern wie im Chor eine wortgleiche Botschaft verbreiteten: "Wir sind stolz auf den Journalismus, den wir produzieren", sagen die Reporter, "aber wir machen uns Sorgen über die unverantwortlichen, einseitigen Nachrichtenberichte, die unser Land plagen." Und weiter: Manche Medienschaffende "nutzen ihre Plattformen, um ihre persönlichen Ansichten zu verbreiten und zu kontrollieren, was die Leute denken. Das ist für eine Demokratie extrem gefährlich".

Berichten zufolge wurden die Lokalsender angewiesen, das Skript wortgetreu zu produzieren und während der Nachrichten - nicht etwa während der Werbung - auszustrahlen. Ein Nachrichtensprecher sagte CNN, er habe sich gefühlt wie ein "Kriegsgefangener, der eine Videobotschaft aufnimmt". Aber auch andere kritisierten die Aktion, unter anderem, weil Sinclair das Vertrauen ausnutze, dass das Publikum oft über Jahrzehnte zu den ihnen vertrauten Journalisten aufgebaut hätte.

Andere machten sich über den Clip lustig: "Nichts sagt 'Wir finden unabhängigen Journalismus wichtig' so deutlich wie Dutzende Reporter, die gezwungen werden, immer wieder dieselbe Botschaft zu wiederholen, als wären sie Mitglieder eines Kults", kommentierte etwa der TV-Moderator John Oliver.