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Dokumentation:Unheimliche Weltmacht

BlackRock

Sitz des Vermögensverwalters Blackrock in New York.

(Foto: Justin Lane/dpa)

Ein Arte-Dokumentarfilm versucht, den Konzern Blackrock zu ergründen. Es geht dem Film vor allem darum, den Einfluss und die Gefahren des Finanzkonzerns zu beleuchten. Dabei tappen die Macher aber in eine Falle.

Als Friedrich Merz vor fast einem Jahr erklärte, er wolle Angela Merkel an der Spitze der CDU beerben, war die Aufregung groß. Merz war schließlich schon lange nicht mehr nur CDU-Politiker, sondern seit 2016 Aufsichtsratschef der deutschen Niederlassung von Blackrock. Der US-Fondsriese aber gilt vielen als eines der mächtigsten Unternehmen der Welt. Bei etlichen großen Konzernen ist Blackrock Großaktionär, zudem ist die Firma weltweit der größte Anbieter passiver Investmentfonds, auch ETF genannt. Mit ihnen können Profis wie Privatanleger kostengünstig in Wertpapiere investieren. Mehr als sechs Billionen US-Dollar verwaltet der Konzern inzwischen im Auftrag seiner Kunden. Wer über so viel Geld verfügt, hat der nicht zweifelsohne großen Einfluss auf Firmen, Politiker und ganze Länder?

Dieser Ansicht ist offenbar der Filmemacher Tom Ockers, der sich in fünf Ländern auf die Spuren von Blackrock begeben hat. Sein Dokumentarfilm versucht zu zeigen, wie der Konzern Einfluss nimmt und welche Gefahren von ihm ausgehen. In 90 Minuten dekliniert er alle Vorwürfe durch, mit denen der Fondsriese seit Jahren konfrontiert ist: Es geht um die Frage, ob es einen Börsencrash verstärken kann, wenn viele Menschen nur noch mit ETF investieren, sich also alle in die gleiche Richtung bewegen. Und es geht um "Aladdin", das computergestützte Analyseprogramm des Konzerns, dessen Algorithmen längst nicht mehr nur für das Risikomanagement bei Blackrock verantwortlich sind, sondern auch für weite Teile des Finanzmarktes. Und es geht darum, wie Blackrock Firmen beeinflusst und möglicherweise sogar von Notenbanken Geheimwissen abschöpfen kann, welche sich zunehmend von dem US-Fondsriesen beraten lassen.

Der Film zeichnet das Bild eines Finanzkraken, der die Wirtschaft unterwandert

So berechtigt Teile dieser Kritik sind, allen voran jene an der Marktmacht Aladdins oder der Beratungstätigkeit Blackrocks, so undifferenziert ist der Film gleichwohl geraten. Schnell geschnitten und untermalt mit dramatischer Musik, zeichnet er das Bild eines Finanzkraken, der - angeführt von Chef Larry Fink - die Wirtschaft unterwandert. Berechtigte und unberechtigte Vorwürfe werden verrührt. Auch der Hinweis fehlt nicht, dass man wochenlang vergeblich versucht habe, jemanden von Blackrock zu sprechen. Das wirkt aufgesetzt, zumindest wenn man weiß, dass die Kommunikationsleute dort in der Regel durchaus Fragen beantworten, und dass auch deren Chefs Interviews geben.

So entsteht der Eindruck, Investmentfonds wie ETF seien eine der größten Gefahren für das Finanzsystem. Dabei sind weltweit erst rund 15 Prozent des verwalteten Vermögens in solchen passiven Anlageformen investiert. Der Film wird all jene bestätigen, die ohnehin vermuten, dass die Welt des Geldes von Übel ist und man von Aktienfonds lieber die Finger lässt. Blackrock selbst aber wird die teils berechtigte Kritik leichter herunterreden können mit dem Hinweis, solche Filme würden ja gar nicht aufklären wollen, sondern nur zuspitzen.

Blackrock - Die unheimliche Macht eines Finanzkonzerns, Arte, Dienstag, 20.15 Uhr/Mediathek.