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"Deutschlands schönste Frau":Triumph des Erwartbaren

Ramona

"Deutschlands schönste Frau" ist auf jeden Fall eine Schönheit auf den ersten Blick: Ramona

(Foto: RTL)

Guido Maria Kretschmer und RTL haben "Deutschlands schönste Frau" gefunden. Ein Topmodel war nicht gesucht, triumphiert haben trotzdem lange Beine. Dagegen wäre auch nichts einzuwenden, wäre da nicht dieser dauermitleidige Unterton.

Eigentlich sollte "Deutschlands schönste Frau" aus der Mitte der Gesellschaft kommen. "Die Botschafterin einer neuen Generation Frau" wurde laut Trailer gesucht und mit "schön" war eben auch "von innen schön" gemeint. Zumindest versicherten das die Macher gleich zu Anfang, als eine Bodybuilderin, eine Rentnerin und eine Glatzköpfin das aufpolierte Gruppenfoto der zwanzig Kandidatinnen angenehm ins Wanken brachten. "Wahre Schönheit besteht auch aus Herz und Verstand" belehrte man uns zusätzlich. Alles nur Palaver? Leider ja, denn spätestens seit dem Finale am Mittwochabend ist klar: "Deutschlands schönste Frau" ist auf jeden Fall eine Schönheit auf den ersten Blick. Wie langweilig!

Ramona ist eine Schönheit, wie wir sie aus der Werbung kennen - und wo sie auch nicht weiter auffallen wird. Einer der Preise, den die 33-Jährige bekommt, ist ein Modelvertrag für eine große Unterwäsche-Werbekampagne. "Deutschlands schönste Frau" muss also nicht unbedingt von innen schön sein, aber bitte doch in Unterwäsche. Dazu bekommt Ramona einen "Herzenswunsch" erfüllt: RTL versucht ihren als vermisst gemeldeten Vater aufzuspüren. Das hat Tiefe, genauso wie überhaupt Ramonas ganze Geschichte, deren Mutter Alkoholikerin war, aus der selbst aber trotzdem eine gute Mutter geworden ist. Waren das jetzt die inneren Werte?

Die fünfte und letzte Episode von "Deutschlands schönste Frau" war ein Zusammenschnitt der vorherigen Episoden, aufgenommen an den Tagen, die den Kandidatinnen gemeinsam auf Mallorca spendiert wurden. In der vollen Dröhnung dieser Highlights kristallisierte sich die eigentliche Botschaft der Show heraus: der Schritt ins neue Leben beginnt nicht nur mit einem neuen Look, sondern ist mit diesem auch gleich vollzogen. Denn mehr als ein professionelles Umstyling der Kandidatinnen von Kopf bis Fuß passierte eigentlich in den fünf langen Episoden nicht. Zum Dank hielten die Kandidatinnen vor und nach jeder Show das Logo eines Kosmetikherstellers in die Kamera.

Guido Maria Kretschmer, "Deutschlands schönste Frau", RTL

Guido Maria Kretschmer, "Deutschlands schönste Frau", RTL

(Foto: RTL/Ralf Jürgens)

Sonnengebräunt, sexy, Oberschenkellücke

Zum Abschluss moderiert Kretschmer am Mittwoch live aus einem Studio. Dort haben neben den Finalistinnen - Ramona, Susana, Erna, Roaya - alle ursprünglichen Kandidatinnen Platz genommen. Es werden emotional-motivierende Videobotschaften vorgespielt, von Freunden und Familien der vier Finalistinnen, die daraufhin gleich mal ihr Make-up zerheulen. Dann läuft ein Countdown. Deutschland soll anrufen, proklamiert Kretschmer. Nach 60 Sekunden ruft er: "Deutschland hat entschieden". Die Gruppe wird halbiert und mit Erna und Ramona bleiben je eine Vertreterin U- und Ü30 übrig. Zu der Ü30-Jährigen, die es nicht geschafft hat, sagt Kretschmer, sie solle man nicht beerdigen, lieber ausstopfen, dann wird noch mal abgestimmt. 82 Prozent stimmen für Ramona. Sonnengebräunt, sexy, Oberschenkellücke. Egal.

Fünf Folgen lang musste man glauben, RTL versuche sich an einer neuen, irren Staffel von "Sex and the City". Guido Maria Kretschmer in der Rolle des Mr. Big und seine zwanzig Freundinnen, die überwiegend Schönheitsideale erfüllen, die in ihrem Alter sonst niemand mehr erfüllt. Shopping, Reisen, Drinks. Entspannung statt Spannung. Schon Sekundenschlaf? Schon verziehen. Denn spätestens am Ende jeder Episode wurden die Emotionen künstlich hochgeköchelt. Dann nämlich mussten die Kandidatinnen je eine Konkurrentin für den Rausschmiss nominieren. Diejenige mit den meisten Nominierungen musste gehen. Doch abgestimmt wurde nicht anonym. Die Nominierenden mussten vor der betreffenden Konkurrentin eine peinliche Stellungnahme abgeben.