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"Der Spiegel":Hamburger Farbe

Das Nachrichtenmagazin überarbeitet Schrift und Layout. Dabei besinnt es sich wieder mehr auf die Farbe Orange. Fast mehr Aufmerksamkeit als die Reform bekamen allerdings Gerüchte um Chefredakteur Klaus Brinkbäumer.

Von Hans Hoff 

Wenn man zu Verschwörungstheorien neigt, dann könnte man sich rund um den Spiegel gerade eine stricken. So hatte der damalige Spiegel-Chefredakteur Wolfgang Büchner im Mai 2014 seinem Magazin ein neues Layout verpasst, und sieben Monate später ging er. Sein Nachfolger Klaus Brinkbäumer wollte nun seinerseits am vergangenen Samstag mit einem neuen Layout sein Blatt ein wenig revolutionieren, bekam aber die Aufmerksamkeit auf ganz anderem Terrain. Seine Absetzung stehe demnächst womöglich bevor, schrieb der Medienjournalist Kai-Hinrich Renner im Hamburger Abendblatt. Also nicht sicher, eventuell, vielleicht, und ganz ohne Zeitdruck. Zwar folgte ein Dementi auf dem Fuß, aber die Aufmerksamkeit für das neue Layout war ein bisschen futsch. "Wir wollen für Klarheit sorgen, wir wollen Akzentuierung herbeiführen", sagt Brinkbäumer in einem wohl vor der Störmeldung aufgenommenen Werbevideo. Er spricht von Leichtigkeit und Raum und davon, dass der Leser alles besser zuordnen könne. Es sei nun möglich, optische Schwerpunkte zu setzen; die neue Schrift, die der Niederländer Lucas de Groot entwickelte, sei angelehnt an das Spiegel-Logo, heißt es in der Verlautbarung, die natürlich auch eine Anpreisung ist.

Das Ergebnis hat tatsächlich etwas Leichtes. Es scheint mehr Platz zu sein zwischen den Buchstaben, zwischen den Zeilen, zwischen den Spalten. Der Spiegel wirkt softer als vielleicht je zuvor. Von der versprochenen Bildstärke ist indes noch wenig zu bemerken. Etliche Fotos, die für die Premiere großgezogen wurden, zeichnen sich durch eine gewisse Verwaschenheit aus. Ein großes Merkel-Foto neigt ebenso zur kalkulierten Unschärfe wie vier Seiten weiter eine schwarz-weiße Rückansicht von Martin Schulz. Zudem fällt auf, dass nicht wenige Seiten beinahe monochrom wirken und dass in viel Grau kaum optische Schwerpunkte gesetzt werden. Das verschafft allerdings den orangenen Ressortkennungen oben auf den Seiten starke Aufmerksamkeit, was sich im Inhaltsverzeichnis zur Häufung auswächst, vielleicht sogar zu einer gewissen Masernartigkeit. Aber man sieht an den farbigen Kennungen auch schön, was optische Revolutionen über ein Magazin aussagen.

Denn vor Büchners Layoutreform 2014 kamen Ressorttitel wie "Deutschland", "Ausland" oder "Kultur" noch in weißer Schrift auf rotem Grund daher und standen mittig. Dann wirkten sie vier Jahre in eher zartem Orange auf Weiß ein wenig abgemagert, nach ganz links oder ganz rechts geschoben. Nun sind sie zurück in der Mitte und leuchten wieder in weißer Schrift auf Spiegel-orangenem Grund. Während also auch beim Spiegel Print und Online zusammenwachsen sollen (der Auslöser für die Brinkbäumer-Spekulation) besinnt sich das Heft bei allem Weißraum auf einen Klassiker. Man könnte auch sagen: Das Rad wurde hier vielleicht absichtlich ein wenig zurückgedreht.

© SZ vom 26.03.2018
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