Causa Böhmermann Wutdruck

Das konservative britische Wochenmagazin "The Spectator" ruft seine Leser auf, Schmähgedichte auf den türkischen Präsidenten einzusenden - "so schmutzig und beleidigend wie möglich". Der Initiator legt vor.

Von Viola Schenz

Da in der Causa Böhmermann-Erdoğan doch noch nicht alles von allen gesagt wurde, fordert The Spectator, das konservative britische Wochenmagazin, seine Leser zum Dichten auf: Gesucht wird das beste Schmähgedicht auf den türkischen Präsidenten. Klar, dass die Aktion aus dem debattenfreudigen und redefreiheitsliebenden Großbritannien kommt, wo man dem unterwürfigen Treiben auf dem Kontinent nicht länger tatenlos zusehen will.

Aus Verärgerung darüber, dass es in Europa tatsächlich noch Majestätsbeleidigungsgesetze gebe und dass Angela Merkel den Klageweg frei gemacht habe, lädt Spectator-Autor Douglas Murray alle Leser dazu ein, auch eine Schmählyrik auf Erdoğan zu verfassen, und zwar "so schmutzig und beleidigend wie möglich". Als Form schlägt er den fünfzeiligen Limerick vor, da sich in dessen "schöner und filigraner Form alles Beleidigenswerte" ausdrücken lasse. Doch auch andere Versmaße seien willkommen. Der islam-kritische Murray geht mit gutem Beispiel voran und veröffentlicht einen selbstverfassten, anzüglich-fiesen Erdoğan-Limerick. Als Preisgeld lobt ein Leser 1000 Pfund aus.

The Spectator, das nach eigenen Angaben älteste englischsprachige Magazin, erscheint seit 1828 und liebt Kontroversen. Nicht ohne Grund war Londons Bürgermeister Boris Johnson dort einst Chefredakteur.