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BurdaStyle:Nur noch ein Schatten

Beim Frauenmagazin "Freundin" muss mehr als die Hälfte der Redaktion gehen, alle Ressortleiter werden entlassen. Bei der "InStyle" kommt das Layout von extern - mit diesen harten Maßnahmen hat in der Redaktion keiner gerechnet.

Als Manuela Kampp-Wirtz, Geschäftsführerin der BurdaStyle-Gruppe, die Redaktion am Freitag um zehn Uhr in den Konferenzraum bat, da ahnten sie bei Freundin schon, dass dies nichts Gutes bedeuten würde. Die Gerüchte waberten seit Monaten durchs Haus: Es werde in diesem Jahr noch Entlassungen geben, jeden könne es treffen. An normales Arbeiten war bei Freundin schon länger nicht mehr zu denken, die Nerven lagen blank. Sie habe schlechte Nachrichten, sagte Kampp-Wirtz erwartungsgemäß: Die Anzeigenerlöse seien rückläufig. Um die Marke zu erhalten, habe man harte Maßnahmen beschließen müssen. Doch wie hart diese am Ende sein würden, damit hatte in der Redaktion keiner gerechnet.

Alle Ressortleiter werden entlassen, die Ressorts Mode, Layout, Living und Food komplett eingestampft. 23 Mitarbeiter sind betroffen, das ist mehr als die Hälfte der Redaktion. Damit ist die dienstälteste deutsche Frauenzeitschrift - sie wurde 1948 gegründet, vier Jahre vor Brigitte - nur noch ein Schatten ihrer selbst.

Schon den 70. Geburtstag im vergangenen Jahr hatte der Verlag ungewöhnlich verhalten gefeiert. Im März dann teilte Nikolaus Albrecht, Chefredakteur seit sieben Jahren, mit, er werde seinen Posten in absehbarer Zeit abgeben und sich neuen Aufgaben zuwenden. Am 1. September nahm eine Doppelspitze den Dienst auf: Anke Helle und Mateja Mögel kündigten an, sie wollten ein zeitgemäßeres Frauenbild vermitteln, den Titel stärker digital ausrichten und den Leserdialog auf Instagram stärken. Was man eben so sagt, wenn man heutzutage eine Frauenzeitschrift übernimmt. Sparmaßnahmen, so heißt es aus Verlagskreisen, seien da längst beschlossene Sache gewesen. Die beiden Chefredakteurinnen konnten dem entsetzten Team nur noch mitteilen, es tue ihnen leid, sie stünden für Gespräche bereit.

Bei der InStyle sind vier Grafiker gekündigt, das Layout kommt künftig von extern

Die Freundin hat, wie alle Frauenmagazine, zuletzt spürbar an Auflage eingebüßt, wenn auch weniger verheerend als die Konkurrenz. Sie verkauft alle 14 Tage immer noch fast 250 000 Hefte und erreicht damit 1,6 Millionen Leserinnen. Vor allem aber wendet sie sich an Frauen, für die sich sonst höchstens noch Brigitte zuständig fühlt: noch nicht alt, aber auch nicht mehr jung, berufstätig, aber nicht in Führungsjobs, gebildet, aber nicht elitär. Es sind Frauen, die keine Lust haben, sich in ein Laufstegkleid hinein zu hungern (es auch gar nicht bezahlen könnten) und sich von einer Zeitschrift nicht nur Unterhaltung, sondern auch Antworten auf praktische Lebensfragen erwarten. Diese Leserinnen, nennen wir sie im besten Sinne "normal", durften sich von Freundin stets ernst genommen fühlen.

Im aktuellen Heft finden sich etwa eine ausführlich recherchierte Ratgeber-Geschichte über Schmerzen beim Sex und eine Hymne auf moderne Heldinnen wie Carola Rackete und Alexandria Ocasio-Cortez. Sechs Leserinnen, die erfrischenderweise nicht wie Models aussehen, führen ihre Lieblingsteile vor, gefolgt von den "schönsten Herbstkleidern unter 150 Euro". Dass das Heft kein eigenes Moderessort mehr haben wird, ist schwer vorstellbar. Da Kampp-Wirtz davon sprach, die Kräfte künftig "stärker zu bündeln", spricht einiges dafür, dass eine andere BurdaStyle-Redaktion die Mode zuliefern wird, mutmaßlich die der InStyle. Auch dort hat man neun Prozent Auflage verloren, auch dort rollten am Freitag Köpfe: Vier Grafiker sind gekündigt, das Layout übernimmt nun eine externe Abteilung, und für die Freundin gleich mit.

Für die Betroffenen sollen laut Verlag sozialverträgliche Lösungen gefunden werden. Im Arabellapark traf man dennoch auf weinende Mitarbeiter. Ihre Aussichten im prekären Zeitschriftenmarkt sind nicht gerade rosig.