Australien 23 Journalisten angeklagt

Nach ihren Berichten über den Missbrauchsprozess gegen den ehemaligen Vatikan-Finanzchef George Pell drohen nun Geldstrafen und Haft. Sie sollen gegen ein Berichterstattungsverbot verstoßen haben.

Wegen Berichten über den Missbrauchsprozess gegen Kardinal George Pell drohen 23 Journalisten in Australien Geld- oder sogar Haftstrafen. Die Staatsanwaltschaft des Bundesstaats Victoria hat am Dienstag Anklage erhoben, weil die Journalisten eine vom Gericht angeordnete Nachrichtensperre missachtet haben sollen. Über den monatelangen Prozess gegen den 77-jährigen Pell durfte zunächst nicht berichtet werden, weil gegen ihn noch ein zweites Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs an Kindern lief.

Der ehemalige Finanzchef des Vatikans war im Dezember 2018 zu sechs Jahren Haft wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt worden. Nach Ansicht der Jury hat er im Jahr 1996 als Erzbischof von Melbourne zwei Chorknaben sexuell missbraucht. Das Gericht verhängte zunächst die Nachrichtensperre, bis die zweite Anklage gegen Pell im Februar zurückgezogen worden war. Solche Nachrichtensperren sind in Australien üblich, damit Geschworene durch öffentliche Berichterstattung nicht beeinflusst werden können. Über das Internet aber verbreitete sich die Nachricht von Pells Verurteilung in Windeseile. Die australischen Medien setzte das unter Druck. Zwei Tage nach dem Schuldspruch erschien etwa die Titelseite des Boulevardblatts Herald Sun trauerschwarz und mit der Schlagzeile: "Zensiert". Zu den angeschuldigten Journalisten zählt Damon Johnston, Herausgeber der Herald Sun. Außerdem stehen 13 Medienhäuser auf der Liste, darunter renommierte Zeitungen wie die Sydney Morning Herald, The Age oder die Brisbane Times. Ausländische Medien und Journalisten gehören nicht dazu. Der Bruch einer Nachrichtensperre kann mit bis zu fünf Jahren Gefängnis und hohen Bußgeldern geahndet werden.