Umwelt:Siehst blass aus!

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Great Barrier Reef, Luftaufnahme, Australien Great Barrier Reef, aerial view, Australia BLWS664235 *** Great Barrier Ree
(Foto: IMAGO/blickwinkel)

Korallen können nicht für sich selbst sprechen. Deshalb erklärt Meeresbiologin Lisa Röpke, wie man Riffe retten könnte.

Interview: Birk Grüling

Warum sind Korallen so wichtig?

"Fische, Oktopusse, Seegurken, Schnecken und andere Meeresbewohner finden in den Riffen Futter, Schutz und einen Kindergarten für ihren Nachwuchs. Papageienfische ernähren sich sogar von den Korallen: Sie knabbern die harten Kalkskelette ab und scheiden feinen Sand aus. Wir verdanken ihnen viele tropische Traumstrände. Für Menschen sind Korallen wichtig, weil sie die Küsten vor hohen Wellen und Überschwemmungen schützen und Fische beherbergen. Und weil sie ähnlich wie Bäume Kohlenstoffdioxid aus der Luft aufnehmen - und so das Klima schützen."

Sind das Tiere oder Pflanzen?

"Korallen heißen wegen ihres Aussehens auch Blumentiere. Sie bleiben ihr Leben lang an einer Stelle, wobei auch ihre Riffe entstehen: Die sind über Millionen von Jahren gewachsen, auf den Skeletten abgestorbener Tiere wachsen neue. Korallen bestehen aus einem festen Kalkskelett, in dem die sogenannten Polypen sitzen. Sie haben kein Herz oder Hirn, aber einen länglichen Körper mit rundem Mund und vielen kleinen Tentakeln daran. Damit angeln sie kleine Krebse aus dem Meer."

Warum sind Korallen in Gefahr?

"Müll, Öl oder Dünger landen oft direkt in den Meeren. Dadurch wachsen mehr Algen, die den Korallen den Platz an der Sonne streitig machen. Auch Schifffahrt und Fischerei setzen ihnen zu, Menschen trampeln beim Schnorcheln auf ihnen herum. Die größte Gefahr ist aber der Klimawandel und damit die steigende Temperatur und Versauerung der Meere. Wenn wir sie nicht besser schützen, werden in den nächsten 25 Jahren die meisten Riffe verschwunden sein."

Erbleichen die vor Schreck?

"Eigentlich sind Korallen kunterbunt. In ihrer Haut leben viele winzige Algen. Die sorgen für die schönen Farben und stellen mit Hilfe von Sonnenlicht Zucker her, den die Korallen zum Leben brauchen. Viele Korallen bleichen aber gerade aus. Das ist eine Stressreaktion auf zu hohe Wassertemperaturen. Weil die Algen dann schädliche Stoffe produzieren, stoßen sie diese ab und verlieren damit ihre Farbe. Bleiche Korallen sind sehr krank, viele sterben."

Wie kann man sie retten?

"Wir müssen den Klimawandel bremsen und für saubere Meere sorgen. Gleichzeitig wird versucht, Korallen zu züchten. Sie werden dafür an Schnüre gebunden, wo sie über mehrere Monate hinweg wachsen. Danach werden sie ins Riff gepflanzt, allerdings ist das oft keine gute Lösung. Ist das Wasser zu warm oder zu schmutzig, sterben aber auch nachgezüchteten Korallen schnell ab. Deshalb wird mit Superkorallen geforscht."

Was können Superkorallen?

"Es gibt Korallen von Norwegen bis in die Tropen. Manche sind besonders widerstandsfähig. Im flachen Wasser vor Australien wächst zum Beispiel eine Koralle, die längere Zeit ohne Wasser und sogar in der prallen Sonne überlebt. Solche Korallen werden im Labor mit anderen Arten gekreuzt. So könnten Superkorallen entstehen, die besser mit der Hitze klarkommen. Das wird aber nicht alle tropischen Riffe retten. Dafür bleibt einfach nicht genug Zeit."

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