Ukraine:Mitgenommen

Ukraine: Denis,18, mit den Dingen, die er mitgenommen hat.

Denis,18, mit den Dingen, die er mitgenommen hat.

(Foto: GUANNAN LI)

Wer flüchtet, muss fast alles in der Heimat zurücklassen. Hier erzählen Kinder und Jugendliche, was sie auf der Flucht dennoch retten konnten. Diesmal: Denis, 18 Jahre, aus Kiew. Er lebt seit 97 Tagen in Berlin.

Protokoll: Jan Stremmel

"Als ich meine Sachen packte, war mir klar: Die Pantoffeln müssen mit. Es sind die bequemsten der Welt. Deshalb trage ich sie auch ständig. Nicht nur zu Hause, sondern auch bei Freunden. Ich nehme sie sogar mit, wenn ich auf Partys gehe. In Kiew waren die meisten Feiern, auf denen ich war, in Wohnungen. Klar, dass man dort die Straßenschuhe auszieht. Aber will man dann die ganze Zeit in Socken rumlaufen? Mich hat das gestört, außerdem bekomme ich schnell kalte Füße. Außer den Pantoffeln, Klamotten und meiner Zahnbürste hatte ich noch zwei Glücksbringer dabei: eine Armbanduhr von meinem Vater und einen Armreif meiner Mutter. Die nahmen nicht viel Platz weg, denn ich hatte nur einen Rollkoffer, Rucksack und Laptoptasche. Wenn ich noch eine Sache aus unserer Wohnung holen dürfte, wäre das mein Game-Computer. Den brauche ich hier zwar nicht, für die Schule reicht der Laptop. Aber er ist richtig viel wert. Ich würde ihn verkaufen und mit dem Geld nach Spanien fahren. Dorthin ist meine Schwester geflohen."

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