bedeckt München 14°

"Two and a Half Men":Der ist aber brav

Nach seinem öffentlichen Kontrollverlust ist Charlie Sheen bei "Two and a Half Men" Geschichte. Jetzt zieht Ashton Kutcher in die Serienvilla ein. Was ist von ihm zu erwarten?

Marc Felix Serrao

Was ist besser: eine Stripperin oder eine Pornodarstellerin? Es gibt wenige Menschen, die eine solche Frage so stellen können wie David Letterman, so leise, plötzlich und hinterfotzig. Ein paar Wochen ist es her, da saß der dienstälteste amerikanische Late-Night-Moderator einem hübschen jungen Mann gegenüber, der sich im Minutentakt die langen Haare hinter die Ohren strich, dazu viel kicherte und allen Ernstes eine weinrote Fliege trug.

Hübsch und smart: Asthon Kutcher löst Charlie Sheen in "Two and a Half Men" ab.

(Foto: AFP)

Ashton Kutcher, so hieß der Gast, grinste, nahm einen Schluck aus dem Gäste-Kaffeebecher, grinste dann wieder und nuschelte, dass er ja eine Stiftung habe, die sich gegen Menschenhandel einsetze. "Gut für dich", rief Letterman, der mit dieser einen kleinen Szene mehr über die Fernseh-Neubesetzung des Jahres in Erfahrung bringen konnte als jeder andere vor ihm.

Ashton Kutcher, 33, übernimmt an diesem Montagabend die Hauptrolle in der CBS-Sitcom "Two and a Half Men". Seine Figur ist die des Dotcom-Milliardärs Walden Schmidt, der gerade eine hässliche Scheidung hinter sich hat und den Werbe-Jingle-Komponisten Charlie Harper ersetzt, der von Charlie Sheen gespielt wurde. Letztere - die Figur wie der Darsteller - galten als Prototyp eines sehr traditionellen und schlichten Männerbildes. Deshalb Lettermans Frage: Stripperin oder Pornodarstellerin?

Als Sheen, 46, nach heftigem Drogenmissbrauch und allgemein miesem Benehmen im März gefeuert wurde, revanchierte er sich mit einem öffentlichen Kontrollverlust, wie man lange nicht gesehen hat. Er lebte vorübergehend mit einer halb so alten Sex-Darstellerin und einem Model zusammen und prahlte im Fernsehen unter anderem von seinem "Tigerblut".

Das alles war erst lustig und dann recht schnell nur noch traurig. Und es wäre nicht weiter der Rede wert, wenn "Two and a Half Men" nicht so ein Riesenerfolg wäre: neun Staffeln, 39 Emmy-Nominierungen. Rekordgagen. Und all das mit einem Männerbild, das brachialer nicht sein könnte, dabei aber kulturkreisübergreifend ankommt, von Uruguay ("Dos Hombres y Medio") bis Hongkong ("Two and a Half Nerds").

Was sagt es aus, wenn eine Figur wie Charlie Harper in mehr als 50 Ländern Menschen, vor allem Männer, anspricht: ein zynischer, beziehungsgestörter Alkoholiker, der Frauen reihenweise erobert, aber verachtet? War und ist "Two and a Half Men", wie oft gemutmaßt wurde, eines der letzten Refugien für das, was Zeitgeistjournalisten als das neue "schwache Geschlecht" bezeichnen? Eine Serie für domestizierte Büro-Männchen, die gerne so viril und tough wie Charlie wären?

Wen diese Debatte ernsthaft interessiert, der kann sie natürlich auch an "Two and a Half Men" aufhängen. Tatsächlich war Charlie - im Fernsehen wie im Leben - vor allem deshalb liebenswert und lustig, weil er auf so lächerliche Weise veraltet und überzeichnet war.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema