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Tierwelt:Ätsch!

(Foto: Slawek K./Unsplash)

Manche brauchen ihre Zunge vor allem zum Rausstrecken. Andere zum Schlucken, Schmecken, Sprechen. Und Tiere?

Von Hannah Lena Weber

Giraffe

Die Nase läuft, aber kein Taschentuch weit und breit? Kein Problem für eine Giraffe: Ihre blaue Zunge ist mit knapp 50 Zentimetern so lang wie eine Schultüte und saupraktisch, um Blätter von Ästen abzustreifen. Mit ihr kann man aber auch wunderbar Nasenlöcher und Ohren putzen. Warum die Zunge von Giraffen blau ist, weiß man übrigens nicht genau. Vermutlich schützt die dunkle Farbe sie vor Sonnenbrand.

Geierschildkröte

Bei Hunger einfach den Mund aufreißen und warten, bis jemand einen leckeren Snack reinsteckt? So eine Frechheit ist Alltag für die Geierschildkröte. Sie macht es sich auf dem schlammigen Grund von Flüssen bequem, sperrt ihr Maul auf und wartet: Ihre Zunge ist geformt wie ein kleiner Wurm, der sich im Wasser langsam hin und her bewegt. Hungrige Fische freuen sich über eine leckere Mahlzeit, bevor sie - schnapp - selbst zur Beute werden.

Katzen

Mehrere Stunden am Tag verbringen Hauskatzen, Tiger, Leoparden und ihre Verwandtschaft damit, sich penibel zu putzen. Dazu schlecken sie einfach mit ihrer rauen Zunge über ihr weiches Fell. Hunderte kleine Haken auf der Zunge, sogenannte Papillen, funktionieren dabei wie eine Bürste und sorgen für eine schicke Frisur. Und nicht nur das: Mit der rauen Zunge lassen sich selbst kleinsten Fleischreste von Knochen abschaben.

Schlange

Die Schlange nutzt auf der Suche nach Beute ihren ausgeprägten Geruchssinn. Dafür benötigt sie, klar, ihre Nase. Aber auch ihre Zunge hilft, die Fährte der Lieblingsspeise aufzunehmen. Beim Züngeln, also dem schnellen Rein- und Rausschießen der Zunge, nimmt sie nämlich Duftstoffe auf. Die werden dann vom sogenannten Jacobson-Organ am Gaumen der Schlange aufgenommen und genau untersucht. Mit der gespaltenen Zunge können Schlangen so sogar unter Wasser erkennen, aus welcher Richtung ein Geruch kommt.

Ameisenbär

Staubsauger und klebrige Insektenfalle in einem - das klingt wie ein modernes Reinigungsgerät, trifft aber auch auf die Schnauze eines Ameisenbären zu. Darin verbirgt sich eine etwa 60 Zentimeter lange Zunge, die der Albtraum aller Ameisen und Termiten ist: Finden Ameisenbären einen ihrer Hügel, graben sie mit ihren spitzen Krallen ein kleines Loch, stecken ihre Schnauze hindurch und lassen die Zunge bis zu 160 Mal pro Minute tief abtauchen. Am ihrem klebrigen Speichel bleiben so über 30 000 Insekten pro Tag hängen. Dabei muss der Ameisenbär sich aber beeilen, denn die Ameisen wehren sich mit brennender Ameisensäure gegen den Angriff. Autsch!

Eisbär

Trotz frostigen Temperaturen kommt auch ein Eisbär mal ins Schwitzen. Zum Beispiel nach einer anstrengenden Jagd oder wegen seines dicken Fells. Das Problem: Wie viele andere Tiere kann der Eisbär gar nicht schwitzen, stattdessen hechelt er und lässt seine Zunge weit raushängen. Durch die Zunge fließt Blut, das durch die kalte Umgebungsluft abgekühlt wird und dann zurück in den Körper fließt - wie eine kleine Klimaanlage.

© SZ vom 20.06.2020

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