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Thema der Woche:Riesenriss

Anfang der Woche ist einer der größten Eisberge der Welt abgebrochen. Seitdem treibt er in der Antarktis. Die Forscher machen sich vor allem Sorgen um das, was von der Eisinsel übrig geblieben ist.

Von Marlene Weiß

Seit Ende Juni hatten Forscher damit gerechnet, Mitte dieser Woche war es so weit: Ein Eisberg - eigentlich könnte man auch von einer Eis-Insel sprechen, so gigantisch ist er - löste sich ab und treibt nun mit der Meeresströmung in der Antarktis. Mehr als 800 000 Fußballfelder hätten auf ihm Platz. Wenn er nicht weiter auseinanderbricht, wird es Jahre dauern, bis er ganz geschmolzen ist. Wie ein einzelner Eiswürfel in Limo langsamer schmilzt als viele kleine Eiswürfel, so geht es auch dem Eiskoloss in der Antarktis. Nur dass er in sehr kaltem Schmelzwasser treibt.

Dass Eisberge abbrechen, ist ganz normal. Diesmal aber ist er riesig

Schon seit Jahren verfolgen Forscher die Geburt des Eisbergs: Erst fanden sie nur einen kleinen Riss im Eis, der wurde immer größer, am Ende war er Hunderte Meter breit und die Kante so hoch wie ein Wolkenkratzer. Nun ist das Eis ganz durchgebrochen. Der Meeresspiegel wird dadurch nicht gleich steigen. Denn die Eisinsel war vorher Teil einer Eisplatte, die ohnehin auf dem Meer schwimmt. Wenn da etwas abbricht oder schmilzt, ändert sich der Wasserstand nicht. Eigentlich ist das auch normal. Eisberge brechen am Rand der großen Platte ab, Eis wächst von hinten nach. Weil aber ein so großes Stück abgebrochen ist, haben Forscher jetzt Sorge, dass das wegen des Klimawandels schneller passiert und irgendwann die ganze Eisschicht an dieser Stelle ins Rutschen kommt.

In der Antarktis herrscht gerade Winter, und es ist auch tagsüber ziemlich dunkel. Daher verfolgen die Forscher die Entwicklungen mit speziellen Kameras. Frühestens Ende August können Fotos vom Eisriesen gemacht werden. Auch Forschungsflüge sind zurzeit nicht möglich.

Was mit der Platte passiert, von der der Eisberg abgebrochen ist, ist unklar. Wegen des Klimawandels sind die Temperaturen am Südpol in den letzten Jahren immer stärker gestiegen. Sollte die ganze Antarktis eines Tages abschmelzen, würde das den Meeresspiegel um etwa 60 Meter ansteigen lassen.

© SZ vom 15.07.2017

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