Thema der Woche:Der Häufchenmacher

Thema der Woche: Kunterbunt und wild: Im Herbst verteilen die Bäume ihr Blattkonfetti. Illustration: Marika Marini

Kunterbunt und wild: Im Herbst verteilen die Bäume ihr Blattkonfetti. Illustration: Marika Marini

Bunt und welk trudeln gerade Millionen Blätter vom Himmel. Das läutet den Herbst ein und ist ein zauberhaftes Spektakel. Nur: Wohin verschwinden die Blätterberge in den Städten und im Wald eigentlich, wenn der Herbst vorbei ist?

Von Nina Himmer

Nun segeln sie also wieder, die Blätter. Und jedes einzelne nimmt ein Stückchen Sommer mit. Bis der dann irgendwann ganz weg ist, man die Mütze wieder über die Ohren ziehen muss und morgens kleine Wölkchen in die Luft pustet. Davor ist Zwischendrinzeit: bunt und raschelnd, leuchtend und immer in Bewegung. Wenn der Wind das Laub tanzen und die Sonne es strahlen lässt. Wenn man darin wühlt, versinkt, gräbt, sich versteckt, es in die Luft wirft, am Küchentisch verbastelt oder vertrocknete Blätter leise unter den Schuhsohlen knuspern.

Der Herbst arbeitet. Erst macht er Häufchen, dann Haufen, dann Berge. Eine alte Buche alleine wirft jedes Jahr etwa eine halbe Million Blätter ab. Ja, das haben Forscher tatsächlich gezählt. In den Städten kommt so eine ganze Menge zusammen, allein in München fallen jedes Jahr 4000 Tonnen Laub an. Einfach liegen bleiben kann es nicht: Die Blätter verstopfen die Abwasserkanäle am Straßenrand, machen die Straßen rutschig und verwandeln Gehsteige in Glitschwege. Deshalb macht die Stadtreinigung Herbstputz. Rechen und Besen reichen dafür nicht aus, die meisten Blätter werden durch die Rüssel von Laubsaugwagen eingesaugt. Danach werden sie zu einer Deponie gebracht und dort kompostiert. Sind die Blätter dann verrottet, werden sie oft als Blumenerde verkauft.

Und im Wald, wo sich keiner kümmert? Wieso stapelt sich das Laub dort nicht schon bis zu den Baumwipfeln? Das liegt an den Würmern, Pilzen, Käfern, Asseln, Schnecken, Tausendfüßlern und Bakterien, die das Laub dort futtern. Wer genau schaut, kann ihre Bissspuren als winzige Löcher in den Blättern sehen. Bis der Winter vorbei ist, ist das meiste verputzt. Besser noch: Die Tierchen scheiden nach ihrer Mahlzeit Humus aus, besonders fruchtbare Erde. Darauf können neue Bäume wachsen - und eines Tages ihr eigenes Blätterkonfetti im Wind segeln lassen.

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